Die Internetfeinde

Die Welt in schwarz und weiß oder Freund und Feind aufzuteilen, liegt mir normalerweise fern. Doch manchmal reift die Einsicht, dass man beim besten Willen nicht umher kommt, eine Linie zu ziehen und diejenigen auf der anderen Seite, die zerstören wollen, was einem lieb und teuer ist, als Feinde zu bezeichnen.

Das Internet ist nicht einfach ein Haufen Kabel, die irgendwohin führen. Für viele, mich eingeschlossen, ist es Teil des Seins und des Bewusstseins, und ich bin ein Teil des Internets.

Wer sich am Internet vergreift, der vergreift sich an mir und an meinen Freunden. Wir sind das Internet. Und wir werden seit Jahren bedrängt von Menschen, die das Internet nicht verstehen. Menschen, die Angst haben vor dem Internet und es kontrollieren wollen.

Das Internet ist zunehmend zu einem überregulierten bürgerrechtsfreien Wirtschaftsraum geworden. Dinge, die außerhalb des Internets (noch) vollkommen normal und selbstverständlich sind, werden dort mittlerweile massiv überwacht und unterdrückt.

“Das Internet ist nur aus Sicht derjenigen ein rechtsfreier Raum, die es nicht kennen oder nicht verstanden haben.” So fasst der Rechtsanwalt Udo Vetter die Situation im CRE129 aus seiner beruflichen Alltagserfahrung heraus zusammen. Der Podcast mit ihm ist übrigens sehr hörenswert und zeigt, dass die Situation mit der Internetjustiz deutlich schlimmer ist, als man es wahrhaben möchte, solang man persönlich nicht direkt betroffen ist.

Nicht nur, dass das Internet niemals ein rechtsfreier Raum war, mittlerweile ist es in weiten Bereichen überreguliert, über-überwacht und wird massiv in seiner Entwicklung behindert.

Das Recht auf Privatkopien, das Verbreiten von eigenen Aufzeichnungen etwa von Sportereignissen, das Kommunikationsgeheimnis, die Unschuldsvermutung, die Redefreiheit, die Rezipientenfreiheit, das Recht auf Anonymität im Alltag, der freie Zugang zu Wissen (öffentl. Bibliotheken), Aufzeichnungen von Rundfunksendungen, persönliche Eigentumsrechte an gekaufter Musik oder E-Büchern, all das sind Beispiele für Dinge, die im Internet im Vergleich zur analogen Welt wesentlich eingeschränkt und zum Nachteil der Nutzer geregelt sind.

Doch statt die Bürgerrechte im Internet auszubauen und den verfassungsmäßigen Freiheitsrechten im Internet Geltung zu verschaffen, fordern Politiker aus praktisch allen Parteien, noch mehr zu regulieren, zu überwachen, einzuschränken und stärker zu bestrafen.

Diese Leute bezeichne ich ab heute als die “Internetfeinde”. Die Betroffenen werden das natürlich weit von sich weisen, den sie wollen ja das Internet nicht abschaffen, sondern nur ihren Regeln unterwerfen und für Ruhe und Ordnung sorgen. Diese Leute haben aber überhaupt keine Ahnung, was das Internet ist und worum es dabei geht.

Wen interessiert, worum es meiner Meinung nach beim Internet geht, wo sich die Freunde und Feinde des Internets im poltischen Spektrum ansiedeln lassen, und wie ich die Rolle und Position der Piratenpartei sehe, den lade ich ein, meinen weiteren Ausführungen zu folgen.

Das Wesen des Internets

Das Internet ist ein Netzwerk von speichernden Kopiermaschinen. Im Gegensatz zum Telefonnetz bedeutet Kommunikation im Internet, dass perfekte Kopien angefertigt werden, in beliebigen Mengen. Die Kopien werden übertragen, lokal gespeichert und angezeigt. Das Kopieren im Internet einschränken zu wollen heißt, die ureigenste Grundfunktion des Internets einzuschränken.

Das Internet basiert auf Kooperation und Koordination, und die Herrschaftsform im Internet kann man am ehesten als Meritokratie bezeichnen. Es ist ein Zusammenschluss von Freiwilligen, die jeder für sich entscheiden, wem sie folgen und ob und an welche Empfehlungen (RFCs) sie sich halten. Wer sich mit wem zu welchen Bedingungen verbindet, welche Technologie und Protokolle dabei genutzt werden, all das steht in der freien Entscheidung der Teilnehmer. Und jeder, der mitmachen will, kann das tun, wenn er sich mit einem beliebigen anderen Teilnehmer einigt.

Den Internetfeinden ist das ein Dorn im Auge. Statt verteilter Koordination verlangen sie die Subordination, die Unterwerfung unter eine zentrale Gewalt. Und statt freiwilliger Kooperation setzen sie auf den Ausschluss all derer, die sich nicht an ihre fremdartigen Regeln halten.

Anstelle des Respekts voreinander soll der Respekt vor der Staatsgewalt treten, und anstelle fairer und gerechter Zusammenarbeit von Gleichen die Dominanz der Mächtigen.

Das Internet droht, das real existierende Privilegiensystem ins Wanken zu bringen, die Machtverhältnis in Politik und Wirtschaft nachhaltig zu verändern und insbesondere weite Teile der Medienwirtschaft obsolet zu machen.

Das darf nicht sein, und daher soll das Internet offenbar kaputt gemacht werden.

Wie sich die deutsche Wirtschaft und Politik ein Kommunikationsnetz vorstellen, konnten wir am Beispiel des BTX sehen. Proprietäre Software aus einer Hand, national beschränkt, eingebaute Bezahlfunktion, Nummern zum Adressieren von Seiten und ein Verzeichnis wie ein Telefonbuch.

Übrigens: der Grund, warum beim BTX Nummern genommen wurden, war der, dass sich die deutsche Wirtschaft nicht auf ein Namensschema einigen konnte, weil ja dann die mit “A” beginnenden Firmen und Institutionen in einem Verzeichnis vorteilhaft am Anfang platziert wären.

Wenn das Internet von Politikern und der Wirtschaft entworfen worden wäre, dann hätten wir heute kein Internet, sondern noch immer Bildschirmtext. Da das Internet aber im wesentlichen von Wissenschaftlern für den freien Austausch von Informationen untereinander entworfen wurde, konnte es zu einem global verteilten Rechner-Gehirnverbund heranwachsen, an dem jeder als Sender und Empfänger von Gedanken, Ideen und kulturellen Schöpfungen teilhaben kann. Jedenfalls, solange er dafür nicht abgemahnt oder verklagt wird.

Das Internet ist ein Meilenstein der Menschheitsgeschichte, und die Welt nach dem Internet wird niemals mehr wie die Welt davor sein. Das möchten die Internetfeinde aber nicht wahrhaben. Schlimm ist aber auch, dass der im Internet begonnene Freiheitsabbau sich auch außerhalb des Internets niederschlägt, betrachtet man etwa die totalitären Plakatverbote im Zusammenhang mit der Olympiade in London oder die Überwachung von Kinobesuchern mit Nachtsichtgeräten.

Doch der Kampf der Internetfeinde ist aussichtslos. Das heißt aber nicht, dass sie harmlos sind, im Gegenteil. Sie richten derzeit schweren Schaden an, innerhalb und außerhalb des Internets.

Die Länder, die die neuen Möglichkeiten des Internets für die Zivilgesellschaft und die Politik am besten nutzen, werden die Zukunft dominieren, wirtschaftlich, politisch und kulturell. Das haben auch die Internetfeinde erkannt. Nur haben sie nicht im geringsten verstanden, was die Möglichkeiten sind, und dass diese Möglichkeiten in direktem Zusammenhang mit einem gesellschaftlichen Wandel stehen, der von den Internetfeinden bekämpft und abgelehnt wird. Direkte politische Beteiligung, Transparenz, Hierarchieabbau, Kontrollverlust, Umverteilung von Einfluss, Macht und Geld, Zerstörung von Monopolen, Verlust staatlicher Souveränität, all das sind Entwicklungen, die massiven Widerstand bei vielen Älteren hervorrufen, die sich der neuen Zeit nicht anpassen können oder wollen.

Die Freunde und Feinde des Internets

Neue politische Fronten bilden sich heraus. Einige haben die Zeichen der Zeit bereits vor 20 Jahren erkannt, etwa der FoeBuD und der CCC, aber inzwischen sind es nicht nur einige Nerds und Künstler, sondern ein immer breiter werdendes Bündnis mit Leuten aus verschiedensten Lagern, die sich etwa im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung zusammenfinden. Politisch unglaublich spannend ist auch die Piratenbewegung, der ich mich angeschlossen habe. Sie schließt sich nicht nur in eigenen Piratenparteien in aller Welt zusammen, mittlerweile bezeichnen sich auch in den etablierten Parteien Mitglieder als “Piraten”, und sogar die DVU betitelt sich selbst populistisch mit “Wir sind die Piraten.”

Die Bezeichnung “Pirat” kann man neuerdings synonym mit “Internetfreund” verwenden. Die Piratenpartei ist jedenfalls klar die Partei der Internetfreunde. Internetfreunde gibt es wie gesehen auch in den anderen Parteien, doch die anderen Parteien werden eher von Internetfeinden dominiert, die auch gern als Internetausdrucker diffamiert werden.

Mehrere Blogartikel haben sich bereits mit der Frage beschäftigt, inwieweit sich hier im Rahmen der Konfliktlinientheorie eine neue inner-postmaterialistische Konfliktlinie herausbildet oder ob es sich hier nur um einen vorübergehenden Generationenkonflikt handelt. Nach der klassischen Cleavage-Theorie verlaufen die Konfliktlinien zwischen den folgenden Entitäten:

Konflikt Links Rechts
Säkularisierungskonflikt Staat Kirche
Industrialisierungkonflikt Stadt Land
Klassenkonflikt Arbeit Kapital
Kultureller Minderheitskonflikt Peripherie Zentrum

Die Konfliktlinientheorie ist aber spätesten seit Aufkommen der Grünen überholt; sie taugt einfach nicht für eine postmaterialistische Gesellschaft, in der die Gegensätze abstrakter sind als in der Konfliktlinientheorie. Um die Theorie zu retten, wurde eine weitere Konfliktlinie zwischen Materialismus und Postmaterialismus postuliert, die mich zwar nicht besonders überzeugt, an der aber doch etwas dran sein könnte. Die Piraten wären dann wohl nach den Grünen die zweite Partei im postmaterialistischen Lager, interessanterweise mit ziemlich komplementären Themen.

Das politische Meinungsspektrum hat viele zusätzliche abstrakte Dimensionen, hier ein paar Beispiele:

Spektrum Positionen
Regierungform direktdemokratisch – parlamentarisch – oligarchisch – tyrannisch
Freiheit anarchistisch – libertär – liberal – autoritär – totalitär
Reformgeschwindigkeit und Richtung radikal – progressiv – konservativ – reaktionär
Haltung zur Kirche anti-klerikal – laizistisch – säkular – klerikal
Meinungsfestigkeit populistisch – idealistisch
Verstand/Gefühl rational – irrational
Waffeneinsatz pazifistisch – militant
Aussenhandel Freihandel – Fairhandel – Protektionismus
Staatengruppierung unionnistisch – föderalistisch – separatistisch
Einmischung interventionistisch – nichtinterventionistisch
Politische Aussenbeziehungungen isolationistisch – unilateral – multilateral
Wirtschaftliche Aussenbeziehungungen Globalisierung – Autarkie
Kulturtoleranz multikulturell – assimilationistisch
Ökologie nachhaltig – exploitationistisch

Sucht man jetzt nach weiteren möglichen Konfliktlinien, dann können die auch aus der Lebenssituation und dem sozialen Profil und Charakter von Menschen entstehen, hier ein paar Beispiele, die mir spontan einfallen:

arbeitend arbeitslos
national lebend international lebend
einsprachig mehrsprachig
selbstständig abhängig
mündig unmündig
arm reich
männlich weiblich
familiär alleinstehend
jung alt
gebildet ungebildet
online offline
eingeboren zugewandert
gläubig ungläubig
selbstbewusst ängstlich
Grundeigentümer Mieter
introvertiert extrovertiert
Autofahrer Nichtautofahrer
konformistisch nonkonformistisch

 

Die Welt ist in den letzten fünfzig Jahren einfach deutlich anders und vor allem komplizierter geworden. Wie man sieht, gibt es im politischen Spektrum hinreichend viele Kombinationsmöglichkeiten, um sich zu positionieren.

Die Partei der Internetfreunde

Obwohl sich die Piratenpartei nicht in allen politische Fragen so festgelegt hat, dass man sie auf allen Dimensionen festlegen könnte, habe ich durch die Parteiarbeit ein ganz brauchbares Bild gewonnen.

Hinsichtlich der klassischen Konfliktlinien ist die Partei erstaunlich tolerant oder ignoriert sie weitgehend. In den politischen Spektren würde ich sie nach meinen persönlichen Erfahrungen mit den Mitgliedern und dem Studium von Programmen und in der Entwicklung befindlichen Wertekatalogen folgendermaßen verorten:

Die Piraten sind sehr demokratisch, liberal bis libertär, progressiv bis radikal, sehr rational, säkular bis laizistisch, lassen sich zwischen Kommunitarismus und Individualismus schwer einordnen, tendieren leicht zum Idealismus, sind weder pazifistisch noch militant, tendieren zum Fairhandel und Föderalismus, sind eher nichtinterventionistisch, multilateral, befürworten Globalisierung als auch Autarkie (Subsidiarität) und sind eher multikulturell und nachhaltig.

Was das Profil der Menschen in der Partei angeht: Es gibt in der Partei sehr viele junge Leute, überwiegend männlich, sehr gebildet, mobil, mehrsprachig, mündig, international, hoher Anteil an Selbstständigen, Studenten und Arbeitslosen, aber auch Professoren und Unternehmern, mehr Mieter als Grundeigentümer, viele Nichtautofahrer. Sehr hoher Anteil an Informatikern, Programmieren, Systemadministratoren, Natur- und Sozialwissenschaftlern, aber auch Medienschaffenden. Die Zahl der Mitglieder, die derzeit aktiv mitarbeiten, würde ich auf über 30% schätzen.

Das ist das derzeitige Profil der Partei Internetfreunde, so wie ich es wahrnehme.

Sie stehen den Internetfeinden entgegen, die als wenig demokratisch, autoritär, konservativ bis reaktionär, populistisch, irrational, unionistisch, interventionistisch, unilateral, assimilationistisch und exploitationistisch wahrgenommen werden und die in den anderen Parteien das Sagen haben.

Die Nähe der Piraten zu anderen Parteien ist wohl antiproportional zum Anteil der Internetfeinde in führenden Positionen dieser Partein. In Kernthemen stehen die Piraten der FDP näher, gesamtpolitisch und vom Herzen her eher den Grünen; die SPD ist die Verräterpartei und die CDU derzeit am weitesten entfernt. Für die Linke gibt es auch eher wenig Sympathie bei den Piraten.

Ob eine gutmeinendende Bevormundung von links oder herablassende Arroganz von rechts kommt, ist den Piraten egal. Sie lehnen beides ab.

Das eigentlich Faszinierende an der Partei der Internetfreunde ist aber die Tatsache, dass sie wohl zu über 95% aus Menschen besteht, die nie zuvor in einer Partei waren und es sich bis vor kurzem niemals vorstellen konnten, einer beizutreten.

Derzeit besteht die Partei praktisch vollständig aus Amateuren im besten Sinn des Wortes, die aber mangelnde Erfahrung durch Engagement, Lernbereitschaft und viel Kreativität wettmachen. Und durch massive Nutzung des Internets, vor allem zur Selbstorganisation. Ich persönlich hätte es mir niemals vorstellen können, dass Parteiarbeit so erfreulich und motivierend sein kann und man durch Parteiarbeit so vielen interessanten Menschen begegnen kann, online wie offline.

Die Internetfeinde aber müssen sich auf eine harte Zukunft einstellen. Sie werden demnächst von innen und von außen unter Druck geraten.

Die Zeiten, in denen intellektuell eher bescheidene Volksvertreter mit Sprechblasenpolitik und Kontrolle der alten Massenmedien die Menschen für dumm verkaufen können, sind hoffentlich bald vorbei.

Politik wird wieder interessant. Sich hinzustellen und dummes Zeug zu reden, wird immer schwieriger, wenn Tausende von Internetfreunden zuhören und jede Lüge innerhalb weniger Sekunden entlarven und dieses über das Internet verbreiten können.

Doch auch die Internetfeinde unter den Journalisten werden sich warm anziehen müssen. Schlecht recherchierte Artikel werden online schnell in Kommentaren auseinander genommen. Die Ansprüche steigen, der industrielle Verlautbarungsjournalismus aus der Retorte wird zunehmend überflüssig, und die Meinungsführerschaft geht bereits zunehmend an die Internetfreunde über. Und wie Udo Vetter auch so schön im CRE129 bemerkte: “Dass ein Artikel auf Papier gedruckt ist, macht ihn nicht besser.”

Piratenwahlkampf

Ich bin gespannt auf die Bundestagswahl. Meine persönliche Hoffnung für die Piratenpartei liegt bei 2 bis 3%. Ein derartiges Ergebnis würde bereits Schockwellen durch die Parteienlandschaft schicken; dafür müssen aber eine Million Menschen die Piraten wählen, fünf mal so viele wie bei der Europawahl. Das wird nicht leicht. Derzeit liegen die Piraten bei der Sonntagsfrage wohl bei 1% und sind nur rund der Hälfte der Wähler überhaupt bekannt. Die Zustimmung in dieser Gruppe liegt aber bei 12%, die sich vorstellen könnten, die Piraten zu wählen. Das ist mehr als die 9%, die die schwedischen Piraten vor der Europawahl hatten, in der sie 7.4% der Stimmen holen konnten. In Deutschland ist aber die Skepsis gegenüber Parteien im allgemeinen und neuen Parteien im besonderen sehr hoch. Selbst bei vielen Internetfreunden gibt es oft noch Skepsis gegenüber der Piratenpartei, die ich nachvollziehen kann. Bevor ich mich aufgerafft hatte, mal persönlich zu einem Treffen zu gehen, ging es mir genau so.

Seitdem aber befinde ich mich im Wahlkampf für die Sache der Internetfreunde. Jede Stimme für die Piratenpartei wird die Internetfreunde in allen Parteien stärken. Und jede Spende für die Piraten wirkt derzeit gleich dreifach: Sie fließt in den Wahlkampf und bringt die Anliegen und Werte der Internetfreunde in die Öffentlichkeit. Dann bringt sie wahrscheinlich mehr Wählerstimmen für die gute Sache. Und zu guter Letzt wird jeder gespendete Euro im Nachhinein aus der Wahlkampffinanzierung verdoppelt. Da die Gelder aber insgesamt gedeckelt sind und die Piraten bisher deutlich mehr Wähler als Spenden haben, reduziert jeder an die Piraten gespendete Euro die Wahlkampfkostenerstattung für die Etablierten um denselben Betrag. Man kann also diesmal auch noch mit dem Portemonnaie mitstimmen und die Internetfeinde beim Geld treffen. Ich werde diese Gelegenheit jedenfalls nutzen.

Und falls jetzt jemand die Piraten mit seiner Stimme unterstützen möchte: Am einfachsten und konsequentesten ist es natürlich, überall Piraten anzukreuzen, wo Piraten draufsteht. Wenn man aber einen Kandidaten einer anderen Partei kennt und ihn für einen Internetfreund hält, sollte man ihn ruhig mit der Erststimme unterstützen. Jeder Internetfreund im Parlament ist mir willkommen, egal, in welcher Partei er ist. Kennt man den Kandidaten aber nicht, sollte man ihn auch nicht wählen; man nützt der Partei nämlich nicht; die Direktmandate verändern in der Regel nicht die Zahl der Sitze für eine Partei im Parlament. Und man sollte bedenken, dass sich der Piratendirektkandidat über jede einzelne Erststimme freut. Er opfert auf jeden Fall einiges an Freizeit bei sehr geringer Warscheinlichkeit, einen Posten zu erhalten. Ich meine, dieser Einsatz für die Sache verdient Anerkennung.

 

30 Antworten zu “Die Internetfeinde”

  1. Andi Z sagt:

    Toller Artikel!

  2. bloodymedia sagt:

    Sehr schöne Analyse und ein äußerst sympathischer Spendenaufruf, dem ich gerne – zweckgebunden – nachkommen werde.
    Außerdem wirkt der Text ganz gut gegen die aktuelle politische Hoffnungslosigkeit.
    Danke!

  3. p_dude sagt:

    Super Artikel, Respekt!

  4. Alpha_c sagt:

    Hallo Pavel,

    der Artikel ist sehr ansprechend Teilweise auch sehr Tiefgründig 🙂 Was mir bei den Piraten noch etwas fehlt ist die Präsens außerhalb des Internets und ein ausführliches Parteiprogramm mit Zielen und Umsetzungsvorschlägen, die man nachlesen können sollte. z.B. als zusammenhängendes PDF oder dergleichen.

    Schöne Grüße aus Leipzig

    #Piraten+

  5. Haus33 sagt:

    Wow! Großartige Analyse. Danke Pavel

  6. Boomel sagt:

    EXZELLENTER ARTIKEL!

    100%-iger Treffer und die Internetfeinde versenkt!

    Bis Februar ging es Parteilos, dann habe ich es nicht mehr ausgehalten!

    Offline morgen in Ingolstadt Infostand der Piraten!

    Vor 2 Monaten habe ich bereits erklärt , das die Internetblase platzen wird. Mit jedem Tag werden es mehr und das in einer Atemberaubenden Geschwindigkeit.

    Das Problem bleibt das wir den Druck erhöhen müssen und zwar um ein vielfaches. Dieser Clearingprozess gegen Internetfeinde dauert schlimmstenfalls 20 Jahre!

    Deswegen KLARMACHEN ZUM ÄNDERN! Und seit freundlich zu den paar Piraten in den etablierten Parteien, sie sind zwar gedanklich genordet, aber die einzige Hoffnung das es eben nicht 20 Jahre dauert!

    Union und SPD werden erst eine ganze Generation verlieren müssen damit sie es lernen, aber auch dort wird der Groschen fallen. Irgendwann. Kommt Zeit kommt piRATenpartei!

    cu

  7. fxdx sagt:

    Hallo Pavel,

    großartig geschriebener Artikel. Vielen Dank dafür!

    @Alpha_c:
    Zumindest das Wahlprogramm der Piraten zur Bundestagswahl 2009 ist natürlich auch als PDF erhältlich. Du findest es im Piratenwiki (wiki.piratenpartei.de) unter folgendem Link:
    http://u.nu/34xk

    Schöne Grüße aus München
    #Piraten+ 🙂

  8. frakturfreak sagt:

    Schöner Artikel, aber eins ſtört mich, müſſte es nicht „des Internets” heißen, weil es Genitiv iſt⁈

  9. biberkopf sagt:

    Toller Artikel!

    Abe der Weg durch die Institutionen ist so lang… gehts nicht schneller?^^

  10. Ekki sagt:

    Danke. Danke. Danke.

  11. stoertebeker sagt:

    Danke für den Artikel!

    @frakturfreak: wo auch immer ich über Kommentare von dir stolpere, fangen meine Gedanken an zu lispeln!

  12. Versus sagt:

    Ein schöner Artikel der zu mindest für mich den letzten nötigen Hieb gebracht hat nicht nur Pirat zu wählen(EU), sondern auch einer zu werden.

    Falls dbpost bitte ich im Entschuldigung, es scheint Kommentare gehen ohne JS wohl nicht.

  13. pavel sagt:

    @frakturfreak: Interessante Frage, hab mich mal schlau gemacht: Es geht beides, wobei es wohl korrekterweise auch „des Internetes“ (Genitiv-E) heissen könnte.

    Folgendes krasse Statement von Oliver Plein möchte ich dir nicht vorenthalten, da man angesichts dieser Fremdwortdichte nur ein „Ja, Meister“ entgegnen kann:

    „Grundsätzlich werden nur lexikalisierte Anglizismen deutsch flektiert. Das „s“ ist im Englischen ein grammatisches Morphem, das Indikator für den Plural ist (bei Substantiven), folglich sollte eine breite Konventionalisierung gewährleistet sein (was ja vor der Lexikalisierung schon stattgefunden hat), bevor ein Anglizismus tatsächlich nach Kriterien der deutschen Grammatik flektiert wird, da sonst, wie schon weiter oben erwähnt, ein semantischer Konflikt entsteht.
    Bei fachterminologischen Anglizismen ist wohl die Konventionalität das einzige Kriterium.“

    Einfach gesagt: Wenn ein Wort aus einer anderen Sprache in der eigenen gebräuchlich ist, sollte man es nach der Grammatik der eigenen Sprache „flektieren“.

    Da das bei „Internet“ klar der Fall ist, habe ich jetzt konsequent auf „des Internets“ umgestellt. Dass ich an manchen Stellen „des Internet“ geschrieben habe liegt wohl daran, dass ich im Kopf manchmal „Internet“ inkonsistent als englisches Wort betrachtet und auf englische Flektion umgeschaltet hatte, um den „semantischen Konflikt“ zu entscheiden. Die inkonsistente Verwendung war in jedem Fall falsch. Danke für den Hinweis.

  14. Paul-Vincent sagt:

    Sehr schön geschriebener und gute durchdachter Artikel!

    Mein einziger Kritikpunkt wäre dann, wie du den Internetfeind an sich durch Benennung, Beschreibung, Bewertung zu etwas klar Umrandetem machst. In Gesprächen und Beobachtungen war mein Eindruck bisher viel eher, dass die meisten „Internetfeinde“ deiner Definition gar keine solchen sind, sondern nur nicht genug Erfahrung mit und Wissen über das Internet, seine Funktion und Organisation haben um es richtig bewerten zu können (Den Internetfeind aus Überzeugung gibt es trotzdem, auch wenn er es besser wissen müsste).

    Wenn du nun all diese Leute in eine Schublade als Feinde, als das Böse steckst erschwerst du es damit nur noch mehr mit diesen Leuten zu sprechen, ihre Sorgen zu verstehen und zu beseitigen.

    Das ist dann so wie der Unterschied zwischen einem Bericht über einen „Terroristen“ und einen „Freiheitskämpfer“. Der Terrorist ist von Anfang an etwas schlechtes. Wenn seine Taten aber nur Ausdruck eines tieferliegenden Konfliktes sind, wird dieser zugedeckt, unsichtbar gemacht – ein Terrorist ist ja ein schlechter Mensch. Beim „Freiheitskämpfer“ passiert das Gegenteil – seine Motive sind per Definition nicht angreifbar. Er ist ja schließlich für die Freiheit!

    In der von dir beschriebene komplexe Welt ist es nicht nur wünschenswert sondern notwendig Ideen nicht als schwarz oder weiß, gut oder böse zu betrachten. Ihre Verfechter dürfen keine Feinde oder Freunde per se sein, das vernebelt den Blick und betäubt den Sinn für die Wahrheit.

  15. Sprechsucht sagt:

    Daumen rauf!
    !piratenpartei #PIRATEN+

  16. maknopf sagt:

    Sehr schöner Artikel.

    Nur eine Kleinigkeit, über die ich gestolpert bin:
    „[…] sogar die DVU betitelt sich selbst populistisch mit “Wir sind die Piraten.”

    Die Bezeichnung “Pirat” kann man neuerdings synonym mit “Internetfreund” verwenden. […]“

    Ist mir ganz klar, dass die DVU hier nicht gemeint ist, bin aber eben dennoch darüber gestolpert, was wohl auch einfach der räumlichen Nähe der Aussagen geschuldet ist.

    Besonders gut hat mir dieser Satz gefallen:
    „Doch auch die Internetfeinde unter den Journalisten werden sich warm anziehen müssen.“

    Danke hierfür.

  17. pavel sagt:

    @paul-vincent
    Ich gebe zu, so zu polarisieren ist nicht immer klug. Ich habe aber die letzten 20 Jahre damit verbracht, Nachsicht mit den Internetfeinden zu haben und aufzuklären.

    Die Ereignisse der letzen Jahre haben mich aber an den Punkt gebracht, wo meine Geduld aufgebraucht ist.

    Ich habe einfach keine Lust mehr, mit Leuten zu reden, die kein Interesse haben, etwas zu lernen, weil sie ja eh alles besser wissen.

    Und diese Leute sitzen ja auch noch am grossen Hebel, während wir faktisch Bittsteller sind, deren hunderttausendfaches Bitten unerhört bleibt und lächerlich gemacht wird.

    Ich verspreche aber, dass ich Nachsicht und Gnade walten lassen und Frieden schliessen werde, sollte ich einmal selbst einen grossen Hebel bedienen dürfen.

  18. tsx sagt:

    „In Kernthemen stehen die Piraten der FDP näher“
    Hierzu nur folgendes: Ich habe gerade in einem neuen regionalen Kostenlos-Print-Magazin ein Pro-Internetsperren-Statement gefunden. Online gibts saogar mehr zum Thema:
    Nicole Riediger, FDP (Kreisgeschäftsführerin des FDP-Kreisverbandes Saarbrücken), explizit als Sprecherin der jungen Politgeration im Print-Magazin vorgestellt und ausgerechnet Informationswissenschaftlerin (wie ich):
    „Internetsperren: Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.
    Verbot von Actionspielen: Zu diesem Thema hab ich keinen Bezug.“
    Quelle:
    http://saar-scene.brixenheimer.de/index.php/component/content/article/51-die-qual-der-wahl-wahlspezial?start=3

  19. Viego sagt:

    @tsx: die Frau Riediger ist die einzige, sie sich mehr oder weniger für Internetsperren ausgedrückt hat – in diesen Interviews. Auf der anderen Seite hat sie nur die typische Floskel benutzt, was nach meiner Ansicht sich so anhört wie: „Ich habe keine Ahnung und sag jetzt mal irgendwas“. Zu Schade …

  20. aloa5@t-online.de sagt:

    Hallo Pavel.
    Sehr schöner Text!

    Als Ergänzung zu Deinen Ausführungen am Anfang mit der Bedeutung des Internets habe ich noch einen Link zu Danny Quah.
    http://econ.lse.ac.uk/staff/dquah/p/dd.pdf

    „The Digital Divide“

    The time is not long since observers in the development community asked why a computer wired up to an Internet connection might matter for anything, given that in the developing world the most pressing economic and social problems included infant mortality, starvation, lack of clean water, inadequate infrastructure, or epidemic and debil-
    itating illness. Those problems have not gone away. But awareness has grown that information flows can help mobilize political action, build institutions, and foster accountability and governance.

    Grüße
    ALOA

  21. Hilfe sagt:

    Freund-Feind-Dedfintionen sind sehr verführerisch, aber sie spalten und bringen Krieg.

  22. Thomas Wanhoff sagt:

    Wunderbarer Artikel und gut zum Weitergeben geeignet. Ich erinner mich noch an die Gründungszeit der Grünen. Das war ähnlich, keiner nahm die ernst. Und irgendwann war Joschka Aussenminister.

  23. Robert Franz sagt:

    Danke, Danke, Danke für diesen einfach wirklich super Artikel. Er spricht mir total aus der Seele!

    Ahoi!

  24. Greivenbreck sagt:

    Hallo pavel, ich bin schwer beeindruckt!
    Darf ich deinen Text bzw. Teile davon für den Wahlkampf (Flyer, Plakat) benutzen? Und wenn ja, was für eine Art von Autorenverweis wäre angebracht?
    In Hoffnung auf baldige Antwort, Greivenbreck

  25. bled sagt:

    Dieser Artikel bringt so Vieles so perfekt auf den Punkt. Vielen Dank dafür!

  26. Andre sagt:

    Ich denke dass „für Ruhe und Ordnung sorgen“ geladen ist, dass man das Feld nicht dem „Feinde“ überlassen darf.

    Genau darum geht es doch uns, Ruhe und digitale Ordnung gegenüber den netzrevolutionären Plänen der Minister zu bewahren. Wie die Neocons Unruhe in die internationale Diplomatie gebracht haben, bringen die Minister durch das Wiederaufleben einer eigentlich 15 Jahre zu späten Filterdebatte Unruhe und Unordnung in das Netz. Man kann sagen, wenn das alles so einfach ist wie die Frau Ministerin es darstellt, warum wird es dann noch nicht lange so gemacht? Letzte Endes geht es im Popperschen Sinne um die Offene Gesellschaft und ihre Feinde.

    Das andere ist, dass es uns wie Preußen ergehen könnte, eine Gesellschaft die so progressiv in ihrer Zeit war, dass nur die ätzende Polemik der Zeitgenossen den Blick auf die Geschichte trübt, während die liberalen Seiten übersehen werden. Was ich meine ist, dass man nicht so tun muss als seien die Internetsperren die Privatidee von der ressortfremden Ministerin Frau von der Leyen, mitnichten! Das ist alles von der EU Ebene weich eingesteuert und wird in allen EU-Ländern umgesetzt. Nur in Deutschland trifft es auf so große Gegenwehr. Wer sich über Videoüberwachung in Deutschland beklagt, der fahre doch mal nach London um seine Verhältnisse gerade zu rücken.

    http://tiny.cc/eusip

    http://www.europarl.europa.eu/oeil/file.jsp?id=5604832

    bzw. hier in deutscher Sprache:
    http://tiny.cc/saferDe

    Dieser Beschluss z.B. ist weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit gefällt worden, Berichterstatter waren rechtsaussen Abgeordnete, und die Bekämpfung „schädlicher Inhalte“ ist da festgeschrieben. Es gibt noch viel mehr ähnlich gelagerte Versuche Filterung auf EU-Ebene durchzusetzen.

    Zensursula ist nur der Kasperchen für die deutsche Öffentlichkeit.

    Wer hier lobbiert hat und zwar breit und systematisch sind die amerikanischen Medienkonzerne. Ein anderes wichtiges Ding war das Telekompaket wo Filterung weitgehend verhindert wurde, aber es gab sehr breit angelegtes Lobbying. Nur naive Kasperchen glauben im vorliegenden Fall, dass es um Kinderpornos ginge, und deutsche Kasperchen machen damit sogar noch Wahlkampf, wie Kanzlerin Merkel bei der letzten Wahl mit der Videoüberwachung und der „Ströbele und sein Fahrrad“ Anekdote.

    Entscheidender als persönliche Angriffe ist nun vielmehr der Aufwuchs einer schlagkräftigen und breiten paneuropäischen Parteibewegung, die Ordnungspolitik digitaler Netze auf ihre Agenda setzt, und gesteigerte Aufmerksamkeit über die Aktivitäten der amerikanischen Content-Lobby in Brüssel und Straßburg.

  27. Burkhard sagt:

    …… ein prima Artikel
    Sehr hohe Affinität, sehr gute Kommunikation und eine breite Realität sorgen für ein gutes Verstehen.

  28. Ninolino sagt:

    OT: Ich wollte nur mal anmerken, dass deine „About“-Seite noch recht, nunja, „nüchtern“ aussieht. 😉

  29. pavel sagt:

    @Greivenbreck: Ja, meine Texte im Blog stehen der Piratenpartei uneingeschränkt zur Verfügung, auch zur Bearbeitung. Es ist mir in diesem Fall als Parteimitglied auch egal, ob ich als Autor genannt werde oder nicht; wenn Textteile unverändert übernommen werden, kannst Du als Autor bzw. Quelle Pavel Mayer, aggregat7 angeben.

    Im übrigen werde ich mich zukünftig auch in der AG Text der Piraten engagieren.

    Zum Thema Flyer/Plakate kann ich die auch einen Blick in das im Artikel verlinkte Kurzmanifest der Piraten empfehlen.

  30. […] Einordnung der Piraten in einen 14-dimensionalen politisches Spektrum wissen möchte, kann meinen zwei Jahre alten Artikel “Die Internetfeinde” […]