Rechenspiele zum bedingungslosen Grundeinkommen

Update: Ich habe jetzt die Links auf die Quellen ans Ende gepackt. Ausserdem die verwendete Kalkulationstabelle als .xls und .png.

Update: Habe einen Absatz zum Thema Konsumsteuer hinzugefügt

Disclaimer: Ich bin kein Anhänger sozialistischer oder kommunistischer Ideen, und habe ernste Zweifel am Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens – die Zusammenfassung hier ist dahingehend etwas salopp und zynisch formuliert und möglicherweise mißverständlich – daher vor dem Kommentieren bitte alles lesen. Wir stehen aber vor ernsten Problemen, die gegenwärtige Krise ist da eher ein Vorbote, und ein zynischer Blick auf die Fakten ist da hoffentlich erhellend. 

Tims blogeintrag zum Thema "bedingungsloses Grundeinkommen" hat mich veranlasst, das ganze mal selbst durchzurechnen und mir einige weitergehende Gedanken dazu zu machen, wovon die Menschen im Land leben sollen, wenn die bezahlte Arbeit ausgeht.

Ich bin zwar kein Volkswirt, aber die Grundrechenarten und ein wenig volkwirtschaftliches Grundverständnis sind da völlig ausreichend, jeder kann das selbst nachrechnen, und die Zahlen gibt es beim Bundesamt für Statistik. (Quellenlinks am Ende des Arttikels)

Auf jeden Fall habe ich beim Schreiben mal wieder viel gelernt.

Vorweg mein Ergebnis: Deutschland ist ein reiches Land:

  • 2000 Euro pro Kopf, also fast 8000 Euro netto für eine vierköpfige Familie wären drin, wenn wir hier den absoluten Kommunismus einführen und alles umverteilen.
  • 664 Euro pro Kopf oder 2656 Euro für die Familie wären drin, wenn man alle Unternehmensgewinne und Kapitaleinkünfte umverteilt, die Einkünfte aus Arbeitsverhältnissen kämen obendrauf.
  • 500 Euro pro Kopf wären möglich, wenn man die Ausgaben der Sozialversicherung an alle verteilt, also die Rentner enteignet und jeder seine Arztrechnungen selbst bezahlt
  • 300 Euro pro Kopf wären möglich, wenn man nur die gesetzliche Krankenversicherung beibehält
  • 66 Euro pro Monat wären drin, wenn man das Geld für die Arbeitslosen und Bedürftigen auf alle verteilt

Grundsätzlich ist also genug Geld da, die Frage ist bloss, wem es weggenommen werden soll. Wie man aus den Zahlen aber schon sehen kann, mit Einsparungen von Verwaltungskosten allein ist da nicht viel zu machen. Dennoch wird etwas passieren müssen, denn uns geht die Arbeit aus, und der Übergang in die vielbeschworene "Informationsgesellschaft" wird alles viel schlimmer machen. Wer die Rechnungen nachvollziehen und meine Gedanken und Ideen zu dem Thema lesen möchte, hier sind sie.

Die volkswirtschafliche Gesamtrechnung

Schauen wir uns als erstes die sogenannte volkswirtschaftliche Gesamtrechnung an, die die Entstehung, Verwendung und Verteilung des Bruttoinlandsprodukts umfasst.

Beginnen wir wir dem Bruttoinlandsprodukt in Höhe von rund 2.492,0 Mrd. Euro pro Jahr, das sind rund 30.342 Euro/Kopf, Kinder eingeschlossen, und 61.790 Euro je Erwerbstätigen.

Wo wird das BIP erwirtschaftet? (Enstehung)

  • 30,1 % produzierendendes (vor allem verarbeitendes) Gewerbe und Baugewerbe
  • 29,3% Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister
  • 21,8 % Öffentliche und private Dienstleister
  • 17,9 % Handel, Gastgewerbe und Verkehr
  • 0,9 % Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

Man kann also sagen: Über 2/3 Dienstleistung im weitesten Sinn, 1/3 Produktion, wobei das Baugewerbe mit 4,2% durchaus relevant ist, vor allem aber besteht gewerbliche Produktion in Deutschland aus verarbeitendem Gewerbe, zu 90%.

Interessant ist, dass die Landwirtschaft beim BIP fast keine Rolle spielt, und 2/3 der Wertschöpfung offenbar aus der “Herstellung” von immateriellen Gütern stammt.

Im Ausland werden im übrigen 6,3% zusätzlich zum “Inlandsprodukts” erwirtschaftet, wohl überwiegend durch deutsche Unternehmensbeteiligungen im Ausland, die zusammen mit dem BIP das das Bruttonationaleinkommen ergeben.

Wofür wird das alles ausgegeben? (Verwendung)

  • 56,3 % privater Konsum (inkl. priv. Organisationen ohne Erwerbszweck)
  • 19,3 % Investitionen
  • 18,1 % Konsum des Staates

Dabei werden 93,7% im Inland verwendet, aber Leistungen im Wert von 47,2% des BIP exportiert und 40,9% importiert. Wir sind also ziemlich stark wirtschaftlich mit anderen Ländern verflochten.

Wer kriegt wie viel? (Verteilung)

Als Volkseinkommen gelten rund 75% des BIP. Rund 49,2% des BIP sind als “Arbeitnehmerengelt” klassifiziert, 26,3% als Unternehmens- und Vermögenseinkommen.

Die Verteilung sieht also auf den ersten Blick so aus:

  • die Hälfte für die Arbeitnehmer
  • ein Viertel für “Vermögende”,
  • ein Viertel sind Abschreibungen, Zölle sowie Produktionsabgaben wie Zölle, Gewerbesteuern und andere Abgaben, die Unternehmen direkt abführen müssen.

50% des BIP als Arbeitnehmerentgelt klingt erst mal gar nicht so übel, allerdings umfasst das das “Arbeitgeberbrutto”, also auch gesamten Sozialabgaben und Lohnsteuern. Dabei wird etwa die Hälfte vom “Arbeitnehmerentgelt” einbehalten und umverteilt. Nettolöhne und -gehälter machen 25,8% des BIP aus, also etwas weniger als das Unternehmens- und Vermögenseinkommen.

Da die Sozialabgaben in Form von Sozialleistungen und anderen Transferleistungen wieder ausgezahlt werden, ergibt sich ein “verfügbares Einkommen” der privaten Haushalte von 62,3% des BIP. Dieses Geld steht für Konsum und freiwilliges Sparen zur Verfügung, wobei die Deutschen insgesamt rund 11,5% des verfügbaren Einkommens sparen.

Transferleistungen

Die soziale Mindestsicherung (ALG2, Sozialgeld, Grundsicherung im Alter, Hilfe zum Lebensunterhalt etc.)  in 2006 betrug 45,6 Mrd. Euro, ausgezahlt an 8,3 Mio. Empfänger, davon 40,5 Mrd. an Arbeitssuchende. Zusätzlich wurden 8,1 Mrd. für Verwaltungkosten und Eingliederungsmassnahmen ausgegeben.

Für BAföG wurden 2,3 Mrd. ausgegeben, für Wohngeld 1,2 Mrd., für Asylbewerber 0,2 Mrd.

Der bei weitem grösste Transfer findet aber über die Renten- und Krankenversicherung in der gesetzlichen Sozialversicherung statt, die insgesamt rund 470 Mrd. Euro pro Jahr umverteilt.

Davon entfallen etwa 236 Mrd. auf die gesetzliche Rentenversicherung, fast 160 Mrd. auf die gesetzliche Krankenversicherung, 38 Mrd. Bundesagentur für Arbeit, 9 Mrd. Pflegeversicherung.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Machen wir nun ein paar Rechnungen, wie das mit dem Grundeinkommen in der Theorie so aussehen könnte:

1. Die kommunistische Utopie

Alle tun dasselbe wie bisher, jeder bekommt aber gleich viel Geld. Alle geben ihr gesamtes Einkommen ab, eine Art 100% Steuer auf alles, und aus dem Topf erhält jeder einen gleichen Anteil, Arbeitende, Kinder, Alte, Kranke, Obdachlose. Das Volkseinkommen wird also auf pro-Kopf Basis verteilt. Damit bekäme jeder 22900 Euro, eine Familie mit zwei Kindern hätte also rund 92.000 Euro im Jahr oder 7600 Euro im Monat zur Verfügung. Klingt erst mal ganz verlockend.

Leider müsste man dann wieder eine Mauer mit Schiessbefehl errichten und Zwangsarbeitsgesetze erlassen, denn die Annahme, dass jeder dann einfach das selbe tun würde wie gegenwärtig, hat sich historisch als klar falsch erwiesen. Und selbst die Mauer würde dieses “Paradies” nicht allzu lange bewahren können.

Dennoch bleibt festzustellen, dass gegenwärtig in Deutschland pro Kopf ziemlich viel Geld da ist, im Durchschnitt mehr als genug, dass jeder recht gut leben können müsste.

2. Die sozialistische Utopie

Was, wenn der Staat nur einfach alle Unternehmensgewinne und Vermögenseinkünfte einkassieren und umverteilen würde?

Das wären dann immerhin rund 664 Euro/Kopf und Monat, oder 2656 Euro für unsere vierköpfige Familie. Klingt auch nicht schlecht, zumal ja der bisherige Arbeitslohn oder Gehalt noch oben drauf käme, und Rente gäbe es dazu auch noch zusätzlich.

Leider wäre auch hier die Freude nur von kurzer Dauer, denn nach wenigen Jahren gäbe es keine Unternehmensgewinne und schliesslich auch keine Vermögen mehr.

3. Soziale Giesskanne

Was würde dabei rumkommen, würde man einfach nur das gegenwärtige System auf der Einnahmenseite beibehalten, aber auf der Ausgabenseite die Giesskanne ansetzen?

Die Zahlen sind verblüffend: 477 Euro/Kopf und Monat, und 1908 Euro für unsere vierköpfige Familie zusätzlich. Wo ist da der Haken?

Problem 1: Auch ein alleinstehender Rentner würde keinen Cent mehr bekommen, egal, wie viel er vorher eingezahlt hat. Ohne Vermögenseinkünfte könnte er wohl seinen Lebensstandard keinefalls auch nur annähernd halten, und es wäre auch kein zusätzliches Geld in Form von Wohngeld da. Problematischer aber wird das durch…

Problem 2: Von dem Geld müssen auch alle Arzt- und Krankheitskosten wie auch Medikamente bezahlt werden. Keine Arztbesuche oder Medikamente auf Krankenschein. Und wenn eine größere OP fällig wird, eine chronische Erkrankung eintritt, ein Unfall oder Pflegebedarf, gibt es nicht mehr als die 477 Euro/Monat.

Behält man dagegen die Kranken- und Pflegeversicherung wie bisher bei, reduziert sich das Ganze auf 305 Euro Grundeinkommen oder 1222 für die vierköpfige Familie.

Ist aber auch nicht schlecht, denn dazuverdienen ist ja problemlos bei gleicher Abgabenlast wie heute möglich, und verhungern muss zwar auch niemand, aber es gäbe einige Personengruppen, die schlechter gestellt wären als bisher:

  • Rentner, die viel eingezahlt haben, vor allem alleinstehende
  • Heutige ALG2-Empfänger haben mit Wohngeld meist deutlich mehr
  • Arbeitnehmer, die nur für kurze Zeit arbeitslos sind (Kein Kurzarbeitsgeld, kein ALG1)

Eingespart würden dabei mindestens 10, eher aber über 20-30 Mrd. an Verwaltungskosten und andere Kosten, etwa die für Arbeitsförderungsmassnahmen.

Letztendlich würde aber praktisch eine Enteignung der Rentner erfolgen. Derzeit verfügen Einpersonenrentnerhaushalte über ein monatliches Nettoeinkommen von 1476 Euro, davon rund 1000 Euro (brutto) aus gesetzlicher Sozialversicherung, Zweipersonenhaushalte etwa 2530 Euro, davon 1650 Euro aus der Sozialversicherung, der Rest kommt aus Arbeit, Vermögen, privaten Zusatzrenten und Wohnungseigentum.

Von dern Einpersonenrentnerhaushalten gibt es über 5,8 Mio, und knapp 10 Mio. Rennter leben mit einem Partner zusammen. Macht also allein 16 Mio. Rentner in Deutschland, die bei der “sozialen Giesskanne” eine massive Verschlechterung ihrer Situation erfahren würden. Nimmt man die Renten jetzt auch noch raus, bleiben gerade mal 66 Euro/Kopf und Monat übrig.

Dennoch zeigt dieses Beispiel, dass ein Grundeinkommen von 300-500 Euro/Monat aus volkswirtschaftlicher Sicht in Deutschland keine Utopie ist. Politisch und rechtlich gesehen würde es natürlich nicht gehen, vor allem die Rentner um einen Grossteil ihrer Ansprüche zu bringen, aber mit 30-50 Jahren Vorlauf wäre auch das möglich, es geschieht ohnehin in bestimmtem Maße.

Mögliche Alternativen

Was würde dabei rumkommen, würde man das gegenwärtige System radikal vereinfachen und zusätzlich an der Abgabenseite drehen?

Die Sitution in Deutschland

Die Abgaben für die Sozialversicherung in erster Linie an die Löhne und Gehälter zu koppeln, ist höchst unzeitgemäss. Für die Renten- und Arbeitslosenversicherung macht das noch halbwegs Sinn, da es immerhin einen Zusammenhang mit der Höhe der Bezüge gibt, aber das gilt nur so lange, wie die Zahl der arbeitenden Menschen in einem direkten Zusammenhang mit der gesamten Wertschöpfung steht.

Dies ist aber zunehmend weniger der Fall, der Umsatz und Gewinn eines Unternehmens pro Mitarbeiter ist mittlerweile sehr verschieden. Die Kopplung der sozialen Sicherheit an Arbeitseinkommen treibt die Welt darüber hinaus in die ökologische Katastrophe. Der Zusammenhang ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, aber meiner Meinung nach gegeben, und ich möchte ihn im folgenden etwas weiter ausholend erläutern:

Gemessen an den Lebensbedingungen vor hundert oder zweihundert Jahren sind wir heute in Deutschland sehr reich. Wohnung, Nahrung, Reisemöglichkeiten, Kleidung, Spielzeug, Medien- und Kulturkonsum, Bildungsmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung eines durchschnittlichen Deutschen sind besser als alles, wovon der reichste Mensch der Welt vor hundertfünfzig Jahren zu träumen gewagt hätte.

In historischem Kontext betrachtet leben wir also in einem materiellen Paradies. Selbst Anfang des 20. Jahrhunderts lebten viele arme Menschen in Deutschland noch in Hütten mit Lehmböden unter Bedingungen, wie wir sie heute allenfalls in manchen Gegenden Osteuropas oder den Slums der zweiten und dritten Welt finden können.

Allein seit 1950 hat sich in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt von 50 Mrd. Euro auf fast 2500 Mrd. Euro verfünfzigfacht! Selbst deflationiert, als inflationsbereinigt, dürfte da ein reales Wachstum um das 15-fache übrigbleiben.

Einem gut verdienenden Facharbeiter aus den 1960er Jahren käme das Leben eines heutigen ALG2 – Empfängers wie der reinste Wohlstand vor. Wir dagegen empfinden es als ungerecht, dass bei ALG2 Empfängern die Abwrackprämie mit den Transferleistungen verrechnet wird.

Das hat zum einen damit zu tun, dass wir unseren Lebensstandard natürlich nicht an dem eines Menschen vor fünfzig Jahren oder einem Afrikaner aus Malawi messen, sondern an jemandem, der hier und heute ein gutes Leben führt.

Das führt zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass eine Zufriedenheit mit den eigenen Lebensbedingungen niemals eintreten wird, egal wie reich oder gut versorgt wir absolut gesehen sind, solange es in unserer Gesellschaft eine größere Zahl von Menschen gibt, denen es deutlich besser geht.

Hinzu kommt, dass die Wirtschaft gewaltige Mengen an Geld dafür aufwendet, neue Bedürfnisse zu wecken und uns unzufrieden mit dem Status Quo zu machen. Das geschieht aber nicht aus Bosheit, sondern sogar aus volkswirtschaftlicher Notwendigkeit.

Die Politik hat sich daher zwangsläufig längst davon verabschiedet, die Menschen materiell zufrieden stellen zu wollen. 

Die Wachstumsfalle

Warum aber müssen immer neue Bedürfnisse geweckt werden? Damit die Wirtschaft wachsen kann, denn wenn wir plötzlich alle mit unseren Lebensbedingungen zufrieden wären, müsste ja nicht ständig mehr produziert werden, wir würden einfach das ersetzen, was verbraucht wird oder kaputt geht, und wären alle mit Nullwachstum zufrieden.

Leider ist unsere Wirtschaft aber zum Wachsen verdammt. Ich habe mich lange gefragt, was eigentlich so schlimm daran ist, wenn die Wirtschaft nicht wächst. Wieso ist Nullwachstum ein Problem? Weil wir zurückfallen im globalen Wettbewerb? Das ist nur zum kleineren Teil das Problem, und weltwirtschaftlich betrachtet irrelevant, es gibt keine bekannten Ausserirdischen, mit denen wir konkurrieren.

Die Antwort ist nicht offensichtlich, jedenfalls war sie für mich nicht offensichtlich, obwohl es ganz einfach ist: Der technisch-wissenschaftliche Fortschritt und die daraus resultierende Produktivitätssteigerung macht Nullwachstum zu einem ernsten gesellschaftlichen Problem.

Dem Fortschritt verdanken wir unseren Reichtum, der Faktor 15 seit 1950 kommt nicht daher, dass wir fünfzehn mal so viele Menschen sind oder fünfzehn mal so viel arbeiten, im Gegenteil. Wir sind in Deutschland mindestens fünfzehn mal so produktiv geworden.

Mit dem Einsatz von immer mehr Primärenergie, Maschinen und immer besseren Verfahren produzieren immer weniger Menschen immer mehr Waren und Dienstleistungen.

Nullwachstum ist deshalb ein so grosses Problem, weil auch bei Nullwachstum die Produktivität in den meisten Bereichen steigt, denn der Fortschritt ist bekanntlich nicht aufzuhalten. Das galt übrigens auch für die DDR, deren Produktivität und Wirtschaft interessanterweise in den 1960er und 1970er Jahren stärker gewachsen ist als die in Westdeutschland.

Wenn aber das unaufhaltsame Produktivitätswachstum nicht mit entsprechendem Wirtschaftswachstum einhergeht, entsteht Arbeitslosigkeit.

Das wurde lange Zeit zum Teil damit kompensiert, dass die Arbeitszeit gesenkt wurde, die verbleibende Arbeit also verteilt wurde und viele einfach weniger gearbeitet haben.

Wenn alle dabei mitmachen, ist das sicher sinnvoll, stösst aber irgendwann auf Grenzen, denn zwei Arbeiter, die nur halbtags arbeiten, brauchen zwei Wohnungen, und jemand der nur halb so viel arbeitet, zahlt auch weniger Steuern und Sozialabgaben, verursacht aber volle Kosten etwa im Gesundheitswesen.

Also bleibt dann am Ende doch wieder nur Wachstum, um alle beschäftigen zu können, jedenfalls in unserem Wirtschaftssystem. Leider stösst aber auch das Wachstum unübersehbar an Grenzen.

Neben den Klimaproblemen, dem Überfischen der Meere, Verlust von Regenwäldern und Bodenerosion ist es vor allem die Ölknappheit, die auch die tiefere Ursache für die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise ist. Sicher haben auch Gier und Hybris dazu geführt, aber die wahnwitzige Geldvermehrung war vermutlich erforderlich, um die Ölrechnungen der Industrieländer in den letzen Jahren bezahlen zu können. Andernfalls hätten wir die Krise schon deutlich früher gehabt, aber in weniger drastischen Ausmassen. Weltweit mussten plötzlich 3000 Milliarden Dollar mehr für Öl ausgegeben werden, immerhin rund 5% vom Welt-BIP.

Auch Folgen der zunehmenden Umweltzerstörung dürfte sich mittlerweile klar negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken, vor allem in den U.S.A. und Australien, aber auch Südeuropa. In die Berechnung des BIP geht aber nur die Beseitigung von Umweltschäden oder die Ausbeutung von Naturressourcen positiv ein, die Bewahrung oder Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen wird in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht direkt erfasst.

Das Ende der Arbeit und Sklaverei

Doch zurück zum Thema Grundeinkommen. Wenn gesamtwirtschaftliches Wachstum nicht unbegrenzt möglich ist, die Produktivität aber weiter wächst, wird uns zwangsläufig die bezahlte Arbeit ausgehen.

Sinnvolle Betätigungen für Menschen dagegen wird es immer in ausreichendem Masse geben, nur eben nicht die wirtschaftliche Notwendigkeit, die meisten Menschen dafür zu bezahlen, dass sie einer bestimmten Arbeit nachgehen.

Sicher wird es aber noch lange Zeit die Notwendigkeit geben, dass zwar nicht alle, aber viele Menschen einer bestimmten Arbeit nachgehen.

Wer aber darf oder soll nun arbeiten, und wer nicht? Und wovon sollen diejenigen leben, die nicht arbeiten? Und wie sollen diejenigen entlohnt werden, die arbeiten?

Wir wissen mittlerweile sehr viel darüber, wie Märkte funktionieren, und Märkte sind das beste Mittel, das wir haben, um Preise für den Austausch von Waren und Leistungen zu ermitteln. Leider werden Märkte aber auch leicht dysfunktional, und unter vielen Umständen funktionieren Märkte leider nicht, etwa wenn es zu wenig Angebot oder zu wenig Nachfrage gibt, um einen Preis bilden zu können.

Und beim Arbeitsmarkt ist niemandem geholfen, wenn die Arbeit auf dem Markt einen geringeren Preis erzielt, als der Mensch zum Leben braucht.

Eine Firma, die auf dem Markt dauerhaft einen geringeren Preis für eine Ware erzielt, als die Herstellung sie kostet, geht pleite und hört auf zu existieren.

Dasselbe Marktmodell auf den Arbeitsmarkt übertragen würde bedeuten, dass jemandem, der von seiner Arbeit nicht leben kann, nur der Ausweg in den Tod bleibt. Wenn dann genügend Menschen verhungert sind oder sich umgebracht haben, müsste ja der Preis endlich anziehen, so dass die Verbleibenden dann von ihrer Arbeit wieder leben können.

Wenn aber die Produktivität aber immer weiter wächst, wären immer weniger Menschen übrig, bis dann so wenige da wären, dass der Fortschritt zum Stillstand kommt und sich ein Gleichgewicht  ergibt. Das alles ist natürlich ziemlicher Unsinn, zeigt aber ganz anschaulich, wie menschenverachtend eine “reine Marktwirtschaft” sein müsste und dass sie in letzter Konsequenz in die weitgehende Vernichtung der Menschheit münden und zum Stillstand ihrer Entwicklung führen würde.

Wie kann aber eine Lösung für die Welt und für unser Land aussehen? Nieder mit dem Fortschritt? Doch wieder Kommunismus? Zurück zur Sklaverei? Immerhin waren Sklavenhalter dafür verantwortlich, ihre Sklaven zu ernähren. Aber das Problem ist, dass selbst ein Sklavenhalter auf Dauer Pleite gehen würde, weil ja die Maschinen viel billiger als die Sklaven produzieren.

Das Ende der postindustriellen Gesellschaft

Wie kann eine zukünftige Gesellschaft also aussehen und funktionieren? Derzeit folgt unsere volkswirtschaftliche Entwicklung in gewissem Maße den Prognosen der Drei-Sektoren-Hypothese von Clark und Fourastié, von der vermutlich die meisten in der Schule gehört haben. Der primäre Sektor, die Landwirtschaft ist zuerst zurückgegangen, auf mittlerweile 1% des BIP. Der sekundäre Sektor,  das produzierende Gewerbe bzw. Industrie liegt in Deutschland mittlerweile bei noch vergleichsweise hohen 30%, was vor allem am hohen Exportanteil liegt, wird aber eines Tages vielleicht auch nur noch mit 1% zum BIP beitragen. Der tertiäre Sektor, der Dienstleistungsektor ist derzeit mit 2/3 des BIP der grösste volkswirtschaftliche Sektor. Wir befinden uns demnach derzeit in der postindustriellen Gesellschaft, der Dienstleistunggesellschaft.

Eine Dienstleistung ist im wesentlichen dadurch charakterisiert, dass diese nicht lagerbar, selten übertragbar und derzeit schwer automatisierbar ist. Letzteres heisst aber nicht, dass nicht auch im Dienstleistungsbereich in vielen Bereiche erhebliche Produktivitätsverbesserungen erfolgen oder Dienstleistungen wegrationalisiert werden. Und Fortschritte in der Entwicklung androider Roboter können langfristig auch den Dienstleistungsbereich ähnlich schrumpfen lassen wie die Landwirtschaft und das produzierende Gewerbe.

Es könnte also sein, dass eines Tages 1% des BIP aus der Landwirtschaft, 1% aus dem produzierenden Gewerbe und 1% mit Dienstleistungen erbracht werden. Womit aber werden die restlichen 97% erwirtschaftet? Es gibt derzeit keinen vierten Sektor in der Drei-Sektoren-Hypothese, aber die Theorie stammt aus den 1930er Jahren, bevor es den Computer gab. Gegenwärtig sieht es so aus, dass der vierte Sektor “Informationssektor” heissen wird, und dass wir demnächst nicht mehr in einer Dienstleistungsgesellschaft, sondern zunehmend in der vielbeschworenen “Informationsgesellschaft” leben werden.

Die Informationsgesellschaft

Was aber bedeutet das für die Menschen, die Arbeit und das Einkommen? Sollte es so kommen, werden möglicherweise eher noch mehr Menschen vom Erwerbsprozess ausgeschlossen, denn eine Informationsgesellschaft erfordert in erster Linie intellektuelle Fähigkeiten zur “erfolgreichen Komplexitätsreduktion wie Abstraktion und Modellierung, Gerbrauch von komplexen Werkzeugen, kognitiven Stellvertretern wie speziellen Symboliken, Prozessdenken, Nutzung nichtlinearer Hypermedialität, Kommunikation mit bildhaften Präsentationen und den sicheren Gebrauch narrativer Strukturen.”

Und es ist sicher nicht von Nachteil in einer Informationsgesellschaft, sich direkt mit den Maschinen über Programmiersprachen zu verständigen, auf jeden Fall aber sollte man den sicheren und kreativen Umgang mit informationstechnischen System aller Art gut beherrschen.

Auch wenn mir persönlich die Informationsgesellschaft entgegenkommt, klingt das alles wenig verheissungsvoll für die Mehrzahl der Menschen in diesem Land.

Unser Bildungssystem bereitet seit Jahrzehnten junge Menschen vor allem auf eine Beamtenkarriere vor, und nur in geringem Umfang darauf, Protagonisten der Informationsgesellschaft zu sein. Trotz aller Sonntagsreden der grossen Politik ist eine schnelle Änderung derzeit nicht in Sicht, wobei die derzeitige Krise da auch hilfreich sein könnte.

Selbst als Automechaniker oder Klempner kommt man heutzutage ohne komplexe informationstechnische Werkzeuge nicht aus. Die Einstellwerte für die Druckregulierer unserer Heizung kommen aus dem Rechner, die Heizungsanlage selbst ist ein komplexer Verbund aus Mikroprozessorsystemen, die Wärmeverbrauchszähler funken ihre Daten zu einem Repeater im Hausflur, der sie an den Repeater im Erdgeschoss weiterleitet, so dass der Ableser nicht einmal das Haus betreten muss. Selbst die Türklingeln und Haussprechanlage sind rechnergesteuert, und das alles ist kein besonderer Technikschnickschnack, sondern normaler Standard, wenn man im Jahre 2007 ein Haus errichtet.  In meinem vier Jahre alten Auto werkeln ein Dutzend Prozessoren vor sich hin, und in Japan sind viele Toiletten mit komplexer Rechnersteuerung ausgestattet, die bei korrekter Bedienung nicht nur die Brille auf Wunschtemperatur vorheizt, sondern mit gezielten gepulsten Wasserstrahlen das Hinterteil reinigen und mit warmer Luft trocknen kann, so dass man kein Papier mehr braucht.

Das alles sind aber nur Vorboten. Die Zahlen für die Rechenspiele in diesem Artikel kriegt man in wenigen Minuten direkt vom Bundesamt für Statistik, auch wenn man etwas suchen muss. Das Internet ändert einfach alles. Lernen, Arbeiten, Verkaufen, Produzieren, Freizeit, Wissenschaft und vielleicht auch eines Tages die Politik, also die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft unsere Regeln bestimmen, nach denen wir zusammenleben wollen.

Noch leben wir in einer “Fernsehdemokratie”, aber diese wird wohl eines Tages zur “Internetdemokratie” werden, und hoffentlich nicht zum Internetfaschismus.

Nach zwanzig Jahren aktiver Nutzung des Internet und seiner Vorläufer bin ich der Überzeugung, dass die meisten überschwänglichen Voraussagen, wie das Internet die Welt verändern wird, eintreffen werden, wenn auch nicht so schnell, wie man seinerzeit im Hype geglaubt hat, aber sieht man sich allein Google, Amazon und E-Bay an, kann man nicht bestreiten, das da sehr schnell ganz neue Unternehmen mit erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung entstanden sind.

Die eigentliche Revolution geht aber im kleinen und oft abseits der grossen Medien oder der grossen Politik vonstatten. Auch wenn im “Web 2.0” nicht jeder zwangsläufig zum Produzenten nützlicher Dinge wird, so gibt mittlerweile eine überwältigende Vielfalt von Texten, Bildern, Meinungen, Podcasts, Reportagen, Kontaktmöglichkeiten, Informationen, Software, Dienstleistungsangeboten und Waren im Netz, die von Millionen Menschen auf der ganzen Welt zeitnah, direkt, niederschwellig und mit vergleichsweise geringem Aufwand eingebracht werden.

Wenn der Hype ums “Web 2.0” abgeklungen sein wird und die Euphorie verflogen, werden wir wohl auch hier feststellen, dass mit einiger Verspätung dann doch die meisten meisten euphorischen Vorhersagen eingetroffen sind und unsere Gesellschaft und Wirtschaft grundlegend transformiert wurde.  

Bedeutung von Geld

Was hat das jetzt alles mit dem Grundgehalt zu tun? Wenn Nahrung, Güter und Dienstleistungen in Zukunft praktisch im Überfluss und zu geringen Preisen verfügbar sein werden, stellt sich nicht nur die Frage, womit wir unser Geld verdienen, sondern auch wozu. Brauchen wir dann überhaupt noch Geld?

Geld ist eine Maßeinheit für Vertrauen und gegenseitige Verpflichtung (Schuld), und wird in der Informationsgesellschaft eher noch an Bedeutung gewinnen.

Geld wird weniger Bedeutung als Mittel zur Erfüllung von (Grund-)bedürfnissen haben, sondern vor allem als sichtbares Zeichen gesellschaftlicher Anerkennung und Wertschätzung einzelner oder von Gruppen dienen, und in noch grösserem Masse als bisher das Ausmass der Einflussnahme auf die Gestaltung unserer Gesellschaft bestimmen. Wer Geld hat, wird in Zukunft noch mehr politischen Einfluss haben als bisher.

Insofern ist ein bedingungsloses Grundeinkommen auch ein Symbol für politische Teilhabe. ALG2 mit seinen vielfältigen Unterwerfungsregeln dagegen stigmatisiert nicht nur, es entmündigt den Empfänger, auch wenn ich der Meinung bin, das es zumindest Familien ohne Kinder eine ausreichende materielle Sicherheit bietet. (Meiner Meinung nach müsste es für Kinder einen höheren Satz geben als für Erwachsene.)

Doch wo soll das Geld nun sinnvollerweise herkommen in der Informationsgesellschaft?

Dazu ist leider ein weiterer Exkurs nötig, der in die Welt des geistigen Eigentums. Patente und Urheberrechte scheinen in der Informationsgesellschaft einen hohen Stellenwert zu besitzen, und so erklären sich auch die Schritte der amerikanischen und europäischen Politik, den gesetzlichen Schutz “geistigen Eigentums” zu verstärken und zu zeitlich auszudehnen, um auf diese Art die volkswirtschaftlichen Grundlagen der “Informationswertschöpfung” zu verbessern.

Leider ist das zu kurz gedacht, denn die praktizierte Zuordnung geistiger und kreativer Schöpfungen zu “Eigentümern” ist in vielen Fällen höchst problematisch und behindert die Entwicklung der Informationsgesellschaft. Gleichzeitig stellt sich natürlich die Frage, wie ein Einzelner oder ein Unternehmen für seine schöpferische Tätigkeit “belohnt” wird, wenn das produzierte Immaterielle anderen Nutzen oder Freude bringt.

Eine einfache Antwort darauf habe ich nicht parat, und es gibt sie wohl auch nicht, aber dennoch versuche mich einmal an einer Hypothese:

Zunächst einmal möchte ich unterstellen, dass jeder Mensch in irgend einer Form grundsätzlich zur Bereicherung dieser Welt und unserer Welt beiträgt, sei es Freund, Zuhörer, Kritiker, Tröster, Erschaffer von Witzen, Partner, Vater, Mutter oder einfach dadurch, dass er jemandem hilft, die Strasse zu überqueren.

Dass dem so sein muss lässt sich allein an einem Gedankenspiel erkennen: Wie froh wären wir wohl, einem Menschen zu begegnen, wenn wir glauben würden, der einzige Mensch auf der Welt zu sein.

Allein dadurch lässt sich meiner Meinung nach rechtfertigen, dass jeder Mensch allein aufgrund dieser Bereicherung der Welt durch seine schlichte Existenz es verdient, bei der Verteilung der Reichtümer dieser Welt angemessen berücksichtigt zu werden.

Das Problem liegt im Begriff “angemessen”, denn bei allzu kleinen Beiträgen stünde der Aufwand, diese zu messen, in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Doch hier könnte man auf zweierlei Weise ansetzen: Zum einen über Pauschalieren, eben das bedingungslose Grundeinkommen, zum anderen aber über den bekannten pauschalen Mechanismus zum Geldeinsammeln: Steuern und Abgaben. Denn so wie man voraussetzen kann, dass jeder die Welt bereichert, so kann man davon ausgehen, dass er Schöpfungen anderer zu seinem Nutzen verwendet, insofern ist eine pauschale Abgabe sicher berechtigt.

In der Informationsgesellschaft könnte man aber deutlich weitergehen: Warum sollte nicht jeder zusätzlich ein “Konto” haben, auf das er Geld bekommt, wenn andere Menschen der Meinung sein, er habe es verdient? Wenn ich einen netten Film oder ein interessantes Paper nutze oder ein Musikstück höre, so könnte ich von Hand oder automatisch bestimmen, dass der oder die Schöpfer einen größeren Anteil aus dem Topf verdient haben. Natürlich kann ich heutzutage auch direkt spenden, und viele tun dies auch, aber die Transaktionskosten sind oft prohibitiv. Meine Zeit ist einfach zu wertvoll, als dass ich sie dafür aufwenden würde, jemanden einen einzelnen Euro zu überweisen.

Es gibt aber noch ein anderes Problem: Ich persönlich tue mich schwer damit, für die Nutzung geistigen Eigentums zu bezahlen, und ärgere mich eigentlich fast jedes mal darüber, wenn ich es tun muss. Der Grund dafür ist, dass ich meist das Gefühl habe, das Geld dem Falschen zu geben oder über den Tisch gezogen zu werden.

Wenn ich für eine Windows-Lizenz bezahle, dann sind die Entwicklungskosten bereits hundertmal von anderen abgegolten. Bei den Stückzahlen dürfte Windows nicht mehr als eine Handvoll Euro kosten.

Wenn ich Musik bei einem grossen Label kaufe, landet nur ein Bruchteil des Geldes beim Künstler, dass meiste landet in den Taschen unsympathischer Schmarotzer.

Ein besseres Modell wäre es, wenn ich einmalig in jemanden oder eine Gruppe Geld investieren könnte und dann auf alle Zeit an den Schöpfungen teilhaben könnte.

Oder alternativ jeden Monat einen festen Geldbetrag zahlen und mich dafür frei bedienen können. Was ich aber nicht will, sind hunderte von Abonnements.

Ich würde auch mit Freuden die Rundfunkgebühr zahlen, wenn ich dafür dauerhaften Zugriff auf die Rundfunkarchive hätte. Derzeit fühle ich mich auch hier über den Tisch gezogen.

Vermögen und Erbschaft

Aber wo bekommen wir jetzt das Geld für das Grundeinkommen her? Wenn wir nicht die Lebenden enteignen wollen oder können, wie wäre es mit den Toten? Wie sieht es eigentlich in Deutschland mit den Erbschaften aus?

In 2007 betrug das jährliche  Aufkommen der Erbschaftssteuer in Deutschland rund 4,2 Mrd. Euro, dabei wurden Vermögen in Höhe von insgesamt 28,1 Mrd. verschenkt oder vererbt, 19 Mrd. davon steuerpflichtig.

Die Gesamthöhe von 28,1 Mrd. ist verdächtig niedrig. Denn nimmt man das Unternehmens- und Vermögenseinkommen von 654,3 Mrd., multipliziert das mit 12,5 und teilt das durch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 80 Jahren, müssten pro Jahr eher 102 Mrd. an Vermögen ihren Besitzer wechseln.

Diese Diskrepanz kann viele Ursachen haben, die sich wahrscheinlich ergänzen: Viele Inhaber grosser Vermögen haben noch nicht vererbt, es wird an der Erbschaftssteuer vorbei vererbt, und die Vermögenswerte werden deutlich unterbewertet. Und viele in Steueroasen und Stiftungen geparkten grossen Vermögen tauchen in den 102 Mrd. gar nicht auf.

Derzeit werden in Deutschland jedes Jahr 684.000 Menschen  geboren. Würde man die Erbschaftssteuer komplett auf die Neugeborenen verteilen, erhielte jeder rund 6100 Euro.

Würde es gelingen, die Hälfte des jährlich tatsächlich vererbten Vermögens auf die Neugeborenen umzuverteilen, also rund 50 Mrd. Euro, so besäße jeder Neugeborene bei seiner Geburt ein Vermögen von rund 73.000 Euro. Bei einer vernünftigen realen Verzinsung von 2% p.a. wären bei seinem 18. Lebensjahr 102.000 Euro Startkapital ins Leben, die er für Studium oder Unternehmerische Aktivitäten einsetzen könnte, oder einfach als Rücklage für schlechte Zeiten behalten, oder sich davon eine Wohnung kaufen, oder das Geld für Parties und Drogen ausgeben, ein dickes Auto kaufen, eine mehrjährige Weltreise machen oder das Geld einfach für die Rente weiter liegen lassen.

Bei einer höheren Verzinsung von etwa 5% p.a. würden daraus bis zum Alter von 65 Jahren 1,6 Mio. Euro. Jemand, der dieses Geld nicht antastet oder dafür eine Wohnung kauft, bräuchte sich also kaum Sorgen um sein Auskommen im Alter zu machen.

Ein derartiges Startkapital ins Leben wäre zwar etwas anderes als ein Grundeinkommen, würde aber sicher eine interessante gesellschaftliche und wirtschaftliche Dynamik in Gang setzen.

Konsumsteuer

Die aktuelle Petition zum Grundeinkommen sieht eine Finanzierung durch eine Konsumsteuer vor, die nach meinem Verständnis nicht anderes ist als eine höhere Mehrwertsteuer. Dafür soll die Lohn- und Einkommensteuer ganz wegfallen. Der Ansatz ist auf den ersten Blick durch interessant, denn den Verbrauch zu besteuern klingt nicht nur ökologisch sinnvoll, der Konsum ist auch der grösste Posten in der Gesamtrechnung, und selbst ein moderater Prozentsatz bringt da sehr viel Geld in Kasse.

Für die Frage der Verteilung in der volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist es aber zunächst egal, wie man eine Abgabe nennt und worauf man sie erhebt. Sie spielt zwar für das Verhalten der Menschen eine Rolle, aber das Geld insgesamt wird dabei erst mal nicht mehr.

Mehr wird es nur durch Wirtschaftswachstum, aber das stösst ja derzeit auf externe Grenzen.

Unter ökologischen Gesichtspunkten wäre eine höhere Konsumsteuer zwar sinnvoll, aber wir haben ja derzeit schon die Mehrwertsteuer als Konsumsteuer.

Und eine Konsumsteuer trifft generell die Armen mehr als die Reichen, denn es gibt da keine Progression. Reiche können ausserdem mehr sparen und würden daher noch mehr Geld anhäufen können als bisher.

Ohne eine zusätzliche hohe Vermögens- und Erbschaftsteuer würde das Modell ganz schnell die soziale Kluft vergrössern.

Finanzierbar wäre das zwar, man müßte allerdings den Mehrwertsteuersatz bereits auf 40% verdoppeln, um allein den Wegfall der Lohn- und Einkommensteuer zu kompensieren.

Würde das Grundgehalt tatsächlich bedingungslos ausgezahlt, wäre dann noch einmal eine Erhöhung um das 3.5 fache nötig, also bräuchten wir einen Mehrwertsteuersatz von 140%, statt 19% wie bisher, denn ein Grundeinkommen von durchschnittlich 1200 Euro/Monat würde fast 1200 Mrd./Jahr kosten. (Wird dagegen Einkommen oder Vermögen irgendwie angerechnet oder abgezogen, haben wir praktisch die gleiche Situation wie jetzt auch, nur mit anderen, günstigeren Parametern für den Bezieher. Menschen mit niedrigem und mittlererm Erwerbseinkommen wären dann die größten Verlierer – keine Pogressionsvorteil, aber höhere Preise!)

Das frei verfügbare Einkommen der Haushalte derzeit beträgt 1550 Mrd. und würde sich dadurch drastisch erhöhen auf einen Betrag, der in der Grössenordnung des jetzigen BIP liegt.

Was das für Folgen hätte, weiss niemand, aber eine deart drastische Veränderung würde erst mal ein ziemliches Chaos nach sich ziehen, und Konsumsteuerbetrug würde sich richtig lohnen, da müsste man wohl eine eigene Polizeitruppe aufstellen, um den Schwarzhandel zu bekämpfen.

Alles in allem bin skeptisch, dass 140% Mehrwertsteuer eine gute Idee sind. Grundsätzlich könnte aber eine Teilfinanzierung über eine Konsumsteuer sinnvoll sein, am besten aber in Verbindung mit einer richtigen aufkommensneutralen “Ökosteuer”, die uns alle zu mehr nachhaltigem Wirtschaften animiert.

Lässt man dagegen das Grundeinkommen aussen vor, wäre es durchaus denkbar, zunächst die Lohn- und Einkommensteuer durch eine Verdoppelung des Mehrwertsteuersatzes wegfallen zu lassen. Dann müsste aber durch eine deutlich höhere Vermögens- und Erbschaftsteuer ein sozialer Ausgleich erfolgen. Damit liesse sich dann etwa das Startkapital ins Leben finanzieren.

Einkommensabhängiges Bedinungsloses Grundeinkommen

Die meisten Modelle für Bedingungloses Grundeinkommen gehen irgend wie davon aus, dass man nur denen etwas zahle solle und müsse, die zu wenig haben. Obwohl ich der Meinung, bin das es sich bei diesem Modell um einen Ettikettenschwindel handelt und wir ein solches Modell aus finanzieller Sicht ja beinnahe haben, hier auch der Versuch einer stark vereinfachten Rechnung dazu:

Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass die Höhe des Grundeinkommen bei 12.500 Euro/Jahr liegen soll, dass sind 1041 Euro/Monat. Sehen wir uns dann die Einkommensteuerstatistik an, (leider ist die beim Bundesamt nur bis 2004 frei verfügbar oder vorhanden), so kommen wir auf rund 21 Mio. Steuerpflichtige, die mehr steuerspflichtiges Einkommen als 12.500 Euro/Jahr haben. Rund 5 Millionen Steuerpflichtige haben zwischen 0 und 12.500 Euro zu versteuern, und eine halbe Million Steuerpflichtige machten Verluste geltend, insgesamt in Höhe von 7 Mrd. Euro. Was machen wir eigentlich mit denen? Ersetzen wir die Verluste? Ist das Grundeinkommen pfändungsfrei?

Doch weiter in der Rechnung: die 0-12.500 Euro-Verdiener sind auf diese Spanne weitgehend gleich verteilt, so dass wir rund 2 Mio. weitere Menschen als versorgt betrachten. Macht also 24 Mio. Bürger, die nichts bekommen. Von den 82 Mio. Einwohnern bleiben also noch 58 Mio., die jetzt kein eigenes steuerpflichtiges Einkommen haben oder voll unterversorgt sind, also rund 70%.

Das heisst, oben stehende Werte für die "Vollversorgung" sind größenordnungsmäßg weiterhin gültig, wir kommen aber mit einer Luxussteuer von 100% aus, und müssen "nur" 850 Mrd. für das Grundeinkommen aufwenden. Wir sehen also, wenn schon Grundeinkommen, dann kann man das auch gleich an alle zahlen. Als Zahl kann man sich jedenfalls merken, dass derzeit nur 30% aller der Bürger das Geld für alle anderen verdienen.

Resume

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden in der Größenordnung von 500 Euro/Monat wäre volkswirtschaftlich betrachtet in Deutschland möglich, ohne mehr Geld umzuverteilen als bisher. Würde man noch mehr umverteilen, könnte man rein finanziell gesehen den Betrag sogar deutlich bis auf das vierfache erhöhen, würde aber sehr bald an die Grenzen der Verfassung stossen, die meines Wissens jedem das Recht auf mindestens die Hälfte seines Einkommens garantiert, und teilweise erreicht die Abgabenlast in vielen Bereichen jetzt schon diese Grenze.

Das Grundeinkommen für jeden würde aber in fast zwangsläufig zu Lasten von Rentnern, Arbeitslosen und Bedürftigen gehen, und eine verfassungsgemässe Einführung würde jahrzehntelange Übergangsfristen erfordern.

Andererseits stehen wir am beginn einer neuen Phase der volkswirtschaftlichen Entwicklung, die zwar viele neue Chancen bietet, aber gleichzeitig sämtliche ökologischen, sozialen und demografischen Problem verschärfen wird, ohne dass es derzeit befriedigende Lösungsansätze gibt.

Klar ist aber, dass es auf Dauer nicht so weitergehen kann, denn die Informationsgesellschaft wird im Rahmen der bisherigen gesellschaftlichen Verhältnisse eher mehr Menschen von der Teilhabe ausschliessen.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen in nennenswerter Höhe wird aber, wenn die Produktivität so weiter wächst wie bisher, ein sinnvolles oder gar notwendiges Instrument werden, will man den sozialen Frieden bewahren. Zufrieden stellen wird es aber niemanden, und es gibt meiner Meinung nach einfachere und niederschwelligere Mittel wie ein Startkapital von 100.000 Euro für Volljährige oder ein staatlich organisiertes, diskriminierungsfreies Vergütungssystem, in dass alle Bürger und Unternehmen einzahlen und aus dem alle Bürger, Organisationen und auch Unternehmen entlohnt werden können, abhängig davon, für wie wertvoll die Bürger den gesellschaftlichen Beitrag erachten.

Mit den Mitteln der Informationsgesellschaft wäre es durchaus möglich, eine derartige Umverteilung von Geld nach dem Willen der Menschen im Land zu organisieren. Derzeit gibt es hunderte oder gar tausende von Organisationen im Land, die staatliche Zuwendungen erhalten, um Menschen zu helfen. Viele davon werden aber den Übergang ins Informationszeitalter nicht überleben oder ihre Existenzberechtigung verlieren.

Ein System, das Sportlern, Kulturschaffenden, Forschern, Erfindern, ehrenamtlichen Dienstleistenden, gemeinützigen Verbänden und Vereinen, aber auch direkt dem einzelnen eine Vergütung zukommen lässt, wäre sicher eine Antwort darauf, wie man gesellschaftlich wertvolle Tätigkeiten ermöglichen und fördern kann, wenn in der Gesellschaft die traditionelle Form der Erwerbsarbeit überflüssig wird.

Diese Mittel, die die Menschen erhalten, stehen dann ja ebenfalls zur Verfügung, um den Wirtschaftskreislauf anzutreiben.

Quellen:

[1] Statistisches Bundesamt: Deutsche Wirtschaft, 4. Quartal 2008

[2] Statistisches Bundesamt: Finanzen und Steuern: Erbschafts- und Schenkungssteuerstatistik 2007

[3] Statistisches Bundesamt: Dr. Margot Münnich Einnahmen und Ausgaben von Rentner- und Pensionärshaushalten

[4] Statistisches Bundesamt:Soziale Mindestsicherung in Deutschland 2006, Ausgabe 2008

[5] Heske, Gerhard: Bruttoinlandsprodukt, Verbrauch und Erwerbstätigkeit in Ostdeutschland 1970- 2000. Neue Ergebnisse einer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Köln 2005

[6] Statistisches Bundesamt: Statistik über das Steueraufkommen (2005-2007) , Grafik 2007

[7] Einkommensverteilung nach Haushaltsgruppen und Einkommensarten 1991 bis 2005

[8] BITKOM: Daten zur Informationsgesellschaft Status quo und Perspektiven Deutschlands im internationalen Vergleich Edition 2007

[9] Statistisches Bundesamt: Jährliche Einkommensteuerstatistik 2004

 

75 Antworten zu “Rechenspiele zum bedingungslosen Grundeinkommen”

  1. bge sagt:

    coole klare rechnungen. danke!

  2. Martin sagt:

    Netter Gedankengang, aber der Spaß hört sich schon da auf:

    „Was, wenn der Staat nur einfach alle Unternehmensgewinne und Vermögenseinkünfte einkassieren und umverteilen würde?“

    Spätestens da würde unser System ab absurdum gestellt. Ist leider so. Ohne Unternehmensgewinne keine Investitionen. Ohne Investitionen kein funktionierendes System. leider 🙁

  3. http://tempeldergaia.blogspot.com/ sagt:

    Ziemlich lang, aber nicht schlecht gedacht, wei ich finde. Sicher gibt es genügend Volkswirtschaftler, die das alles zerplücken können, bis nur noch kleinste Teilchen übrig bleiben. Ich hab mal sone Diskussion in einem Forum gelesen, wo man sich gegenseitig zerfleischt und auf´s übelste der Dummheit und Ignoranz bezichtigt hat. Keiner wollt niemandem einen Zoll breit nachgeben und da frag ich mich schon, was das ganze dann als Diskussion soll.
    Der Kommunismus/Sozialismus hatte seine Chance, der Kapitalismus auch, genauso wie die vielbeschworene soziale Marktwirtschaft und sogar, leider der Faschismus und der Nationalsozialismus. Hab ich irgend einen -ismus vergessen? Keine Ahnung, is aber auch egal. Ich denke mal, trotz allem, it´s time for a radical change, now! Und dazu sind eben Ideen gefragt.
    Wenn Nullwachstum nicht möglich ist, ungezügeltes und dauerndes Wachstum aber auch nicht, wie soll es dann weiter gehen? zwei Jahre Wachstum auf Teufel komm raus und dann zwei Jahre Rezession und so weiter und so fort?
    Ich denke es sid neue Ideen gefragt und der Mut, welche auszuprobieren, sonst war´s das für die Menschheit, egal ob Grundeinkommen oder nicht!

    Liebe Grüße sendet Thialfi

  4. tomairhak sagt:

    Hast du mal darüber nachgedacht, das das Grundeinkommen sich auf das Freilandkonzept von Silvio Gesell runterbrechen lässt?
    Wenn man es in einen freiwirtschaftlichen Kontext stellt, sprich zusätzlich um ein Freigeld ergänzt, dann lässt sich dein komplexes Modell, das ich zugegebenermaßen nur sehr grob überflogen habe, deutlich vereinfachen.
    http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/

  5. SimonZ sagt:

    hat sicherlich viel arbeit gemacht. Aber interessant, dass auch in diesem Artikel – wie bei vielen anderen zu diesem Thema – einfach mal darauf verzichtet wird Quellen zu nennen. Also im Grunde kein aussagekräftiger Artikel

  6. pavel sagt:

    @simon
    Ich packe die Quellen gleich rein, die Zahlen sind allesamt vom Bundesamt für Statisitk.

    Pavel

  7. Tim Pritlove sagt:

    Ein echter Pavel. Leider hast Du den Aspekt des Einsatzes einer hohen Konsumsteuer nicht einfliessen lassen, die ja im Wernerschen Modell eine wichtige Rolle spielt. Oder denkst Du, dass das für Deine Rechnungen nicht relevant ist?

  8. Viktor Panic sagt:

    Ein lesenswerter Artikel.

    Ich habe ihn nicht auf einmal geschafft, aber die Schlussfolgerung, ein bedingungsloses Grundeinkommen müsse zu Lasten der Rentner und der Bedürftigen gehen, ist falsch!

    Der wichtigste Fehler ist der „allgemein übliche“: Es wird übersehen, dass im unteren Einkommensbereich – nämlich bei „Hartz-IV-Empfängern“ – das heutige System einen katastrophal geringen Arbeitsanreiz darstellt, bei einem Anrechnungssatz von 80% auf eigenes Einkommen, wogegen das Grundeinkommen diesen Satz in die Nähe der hälftigen Teilung bringt.
    Somit würde das bedingungslose Grundeinkommen die Schaffung von Millionen einfacher Arbeitsplätze erlauben, die heute noch als unproduktiv gelten. Dieser ökonomische Vorteil würde eine deutliche Anhebung des Grundeinkommens sowie des zu seiner Finanzierung nötigen Steuersatzes erlauben, bis er durch den dadurch erzeugten Nachteil aufgewogen würde. Mit diesem Betrag könnte man aber auch bestehende Rentenansprüche erhalten. Es sollte möglich sein, dies bereits beim System-Übergang zu berücksichtigen, so dass Bedürftige und Rentner nicht darunter leiden müssen – und Arbeitslose im herkömmlichen Sinn braucht es gar nicht mehr zu geben, denn das BGE würde der Abschaffung betriebsbedingter Kündigungen den Weg ebnen – mit betriebsbedingten Arbeitszeitverkürzungen (ohne Lohnausgleich) als Ersatz-Ventil.

  9. korbinian sagt:

    ich gehe manchmal ins kino und auf konzerte und finde die preise auch angemessen, aber normalerweise lade ich mir medien illegal bei der piratenbucht runter, ohne ein schlechtes gewissen zu haben. wenn ich digitale inhalte erstelle, dann erstmal umsonst für alle, oder exklusiv für einen kunden – das wird auch weiterhin erstmal so funktionieren. wenn die möglichkeit bestehen würde einem programmierer oder musiker oder wem auch immer völlig unkompliziert ein paar euros zu überweisen, würde ich das evtl ab und zu machen. ich glaube wenn die bezahlung im internet so einfach und vor allem transparent wäre wie jemandem im echten leben hartgeld zuzustecken, könnte das auch funktionieren. langfristig sehe ich das system der lohnarbeit für viele am ende, ein grundeinkommen würde dazu beitragen den weg aus der dienstleistungs- in die informationsgesellschaft zu finden. ich persönlich würde mich grundsätzlich freuen wenn man das einfach ausprobiert würde, ohne zu wissen was rauskommt, aber auch so bin ich zuversichtlich.

  10. pavel sagt:

    @martin: Investitionen in Höhe der Abschreibungen sind da bereits rausgerechnet. Es gibt da in Quelle 1 ein nettes Bild zu.

    Allerdings sollte man bedenken, dass unter dem Posten „Unternehmens- und Vermögenseinkommen“ auch das ganze Geld der kleinen Sparer und Anleger befindet.

  11. Ich verstehe nicht, wozu die Kohle obendrauf gepackt werden muß. Wenn man sich die Realität anschaut (Selbstversorgung ist marginal), erhält jeder Bürger auf welchen Wegen auch immer mindestens soviel Geldmittel in die Hand, daß eine minimale Existenz gesichert ist. Die meisten erhalten etwas mehr und viele genug zum Leben und wenige mehr als sie jemals selbst verspachteln können.
    Bei dem BGE, was ich bisher studiert habe, geht es im wesentlichen um „Substitution“: Ein Teil der Gelder fließt dabei nicht über vielfältige Kanäle in des Bürgers Tasche, sondern in eine zentrale bge-Kasse und von dort aus dann bedingungslos an jeden. Man spart sich dabei auf jedenfall massig Kosten für Bedarfsprüfung (bisweilen ja über Jahre und monatlich), Kontrolle, Mißbrauchs- und Mitnahmeverfinderung, Schikane und nichtzuletzt Kriminalität, die durch Unzugänglichkeit der „Sozialsysteme“ verursacht wird. Diese Kosten fallen übrigens nicht nur in der öffentlichen Verwaltung an.
    Wie Viktor Panik beschrieben hat kommt nun noch hinzu, daß unter den heute Nichterwerbstätigen und das sind mehr als nur die offiziellen „Erwerbslosen“, der Zuverdienst ja so hoch angerechnet werden kann, daß sich bezahlte Arbeit lohnt und zwar sowohl für den Arbeitnehmer wie für einen Arbeitgeber, aber auch für Selbständige oder Genossenschaften.

    Internetspaziergänger auf Morgenspaziergang

  12. tisba sagt:

    Super Artikel, Pavel! Wie Tim schon sagte, hätte auch mich eine Rechnung mit erhöhter Konsumsteuer (im Gegensatz zur bisherigen Mehrwertsteuer) auch interessiert.

  13. acid sagt:

    Was hier vergessen wird ist die Schwarzarbeit / Schattenwirtschaft die immerhin schätzungsweise an die 8, 6% am BIP ausmachen aber im BIP nicht ausgewiesen sind. Wie würde sich denn ein Grundeinkommen auf die Schwarzarbeit auswirken?

  14. pavel sagt:

    @internetspaziergänger
    Na wenn das Geld nicht obendrauf gepackt, sondern beim Einkommen angerechnet wird, dann sind wir schnell wieder beim existierenden System, das sich sicher vereinfachen lässt, dadurch aber sehr wahrscheinlich ungerechter wird und leichter zu missbrauchen, wobei das dann ja kein Missbrauch wäre, sondern persönliche Einkommensoptimierung. Bei monatlicher Abrechnung, und um die käme man wohl nicht herum, könnte man das Erwerbseinkommen beispielsweise in einzelnen Monaten konzentrieren und in anderen Monaten einfach nichts „dazuverdienen“. Bei einem jährlichen Ausgleich würden viele eine Überaschung erleben und stünden dann erst mal eine Zeit mittellos da. Und insgesamt würde sicher auch der Missbrauch zunehmen. Allerdings gebe ich Dir recht, dass eigentlich das Finanzamt ausreichen würde und man mit einer negativen Einkommens- bzw. Lohnsteuer arbeiten könnte, um praktisch denselben Effekt zu erzielen wie heute mit den vielen verschiedenen Ämtern, das FA hätte aber derzeit wohl nicht die Kapazität für Millionen montalicher Abrechnungen und Transaktione. Der Begriff BGE wäre dann aber aus meiner Sicht ein stückweit Ettikettenschwindel, denn es gäbe nach wie die Bedingung, nicht zu viel verdienen zu dürfen.

    Und die Frage nach dem Vermögen kommt dann auch ganz schnell hoch, etwa bei einer selbstbewohnten Eigentumswohnung. Soll die angerechnet werden oder nicht?

    Wenn nicht, was ist dann mit Wohngeld? Gibt es da extra? Wird es angerechnet? Sobald man an einer Stelle anfängt, kommt man wieder vom Hölzchen aufs Stöckchen.

    Das alles fiele weg, wenn jeder einfach jeden Monat Geld bekommt, No Questions Asked und Punkt.

    Aber generell gibt es bei jeder Änderung des Systems Gewinner und Verlierer. Die Gesellschaft muss sich in erster Linie entscheiden, wer in welche Kategorie einsortiert werden soll.

    Pavel

  15. juh sagt:

    Hallo Pavel,

    vielen Dank für die Zahlenspielerei. Als ich meinen Kommentar zum BGE niedergeschrieben habe, konnte ich dem Verlangen „das Ganze einmal durchzurechnen“ noch gerade widerstehen. Ich denke nämlich, dass es einige Unbekannte in der Rechnung gibt, sodass es letztlich eine politische oder gesamtgesellschaftliche Entscheidung sein muss, die man nicht vorher durchrechnen kann. Du weist darauf ja indirekt immer wieder hin, wenn du die Rahmenbedingungen nennst: höhere Produktivität durch Maschinen etc. pp.

    Ich denke utilitäre Argumente, wie das Argument, dass sich mit dem BGE der Verwaltungsaufwand reduzieren lässt, sind letztlich randständig. Wie zentrale Frage lautet: Wie lässt sich Wohlstand im 21. Jahrhundert sozial und effizient verteilen, ohne den Wohlstand selbst aufs Spiel zu setzen. Das BGE erscheint mir in diesem Zusammenhang ein Vorschlag zu sein, der — so radikal er uns auch heute erscheinen mag — viele Aspekte der Marktwirtschaft unangetastet lässt, um genau das zu gewährleisten. Es setzt beispielsweise den Wettbewerb nicht außer Kraft. Es lässt den Anreiz bestehen, zu arbeiten, um sich mehr Luxus zu leisten. Aber es macht die Menschen auch frei für Tätigkeiten, die nicht sofort in Mark und Pfennig entlohnt werden. Und das halte ich für sehr wichtig. Die freie Tätigkeit des Menschen schafft, wie wir am Beispiel der Open-Source-Software erfahren und nachrechnen können, Werte von immensen Ausmaßen.

    Man muss immer wieder davor warnen, das BGE zu einem Allheilmittel zu stilisieren. Es kann nicht alle wirtschaftlichen und sozialen Probleme lösen.

    Man darf aber auch nicht allzu zaghaft darauf schauen, dass ja keine Gruppierung durch eine Einführung benachteiligt wird. Denn das ist gleichbedeutend mit einem Verzicht auf Handlungsfreiheit. Dein Einwand, dass das BGE Rentner schlechter stellen würde, trifft ja auch nur auf die heutigen Rentner zu, die in den fetten Jahren der Bundesrepublik Ansprüche erworben haben, von denen die heutigen Rentenzahler bloß träumen können. Die künftigen Bezieher von Minirenten sind bei einem BGE ganz bestimmt besser gestellt.

    In meinem Kommentar zum BGE unter http://www.sudelbuch.de/2009/bedingungsloses-grundeinkommen habe ich die Auswirkungen der Konsumsteuer, die in dem Schweizer Film http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen dargestellt werden, einmal in einer Tabelle zusammengefasst. Es gibt schon eine gewisse Progression.

    Ansonsten kann ich dir in vieler Hinsicht zustimmen. Das BGE ist bei allen Unbekannten finanzierbar und kein Vorschlag aus dem Wolkenkuckucksheim!

  16. Alex sagt:

    Also da muss ein Fehler in der Rechnung sein, weil das Ergebnis nicht stimmt. Siehe z. B. Rechnung von Opielka. Ich habe Deinen Artikel nicht ganz verstanden. Aber vielleicht weiß ich, wo der Fehler in Deiner Rechnung liegt:

    das Prinzip Gießkanne: beim Grundeinkommen ist es ja eben nicht so, dass durch das Grundeinkommen jeder mehr Geld erhält. Nein im Gegenteil: nur sehr wenige erhalten am Ende tatsächlich mehr Geld. Das sind ziemlich genau die, die vorher weniger als das Grundeinkommen hatten. Diese Leute erhalten eine Aufstockung.

    Bei allen anderen wird das Grundeinkommen ausbezahlt und dann gleich wieder über das Finanzamt eingezogen. Die Kosten für den Staat sind bei diesen Leuten also Null .

    Das Grundeinkommen ist nicht eine Umverteilung der bisherigen Geldströme. Die bisherigen Geldströme werden nur neu definiert, bleiben aber nahezu erhalten.

    Gruß
    Alex

  17. Georg sagt:

    Auch bei einer pauschalen Konstumsteuer gibt es Einkommensprogression, wenn sie mit einem Grundeinkommen kombiniert wird: Schau dir dazu mal die Tabelle hier im 2. Abschnitt an:
    http://www.sudelbuch.de/2009/bedingungsloses-grundeinkommen

  18. pavel sagt:

    @Alex: Ich habe die Rechnung im Abschnitt Konsumsteuer mal ergänzt mit Werten aus der Einkommenssteuerstatistik. Das Ergebnis ist, dass immer noch 70% des Geldes benötigt werden, das im Szenario „Jeder bekommt ein Grundgehalt“ anfallen.

    @Georg: Ich komme rechnerisch für das Szenario von Alex auch auf rund 100% Konsumsteuer, insofern passt das, allerdings sollte im Wernerschen Modell die Einkommensteuer wegfallen. Man kann natürlich auch die progressive Einkommensteuer beibehalten, ist wahrscheinlich sogar sinnvoll. Zu einer Vereinfachung unseres Steuersystems führt das aber nicht.

    Und für die 100% Konsumsteuer gelten im wesentlichen dieselben Vorbehalte wie für die 140%. Man darf auch nicht vergessen, dass praktisch alle Dinge, auch die für den Bedarf des täglichen Lebens fast doppelt so teuer werden, wie bisher, einschliesslich Häuser, Wohnungen, damit die Mieten, Nahrung, Autos, Benzin, Kino, Computer etc.

    Damit sind dann die 1500 € nicht mehr so viel, wie sie klingen. Schlimmer aber noch, die Gehälter werden sich nicht plötzlich um 70% erhöhen, und damit werden praktisch alle Arbeitseinkommen massiv entwertet.

    Ich mich nur wiederholen: Es gibt jedesmal Gewinner und Verlierer, mehr wird der Wohlstand nur durch Wachstum, alles andere ist nur neu umverteilen.

    Pavel

  19. Alex sagt:

    Pavel schrieb:
    „Und für die 100% Konsumsteuer gelten im wesentlichen dieselben Vorbehalte wie für die 140%. Man darf auch nicht vergessen, dass praktisch alle Dinge, auch die für den Bedarf des täglichen Lebens fast doppelt so teuer werden, wie bisher, einschliesslich Häuser, Wohnungen, samit die Mieten, Nahrung, Autos, Benzin, Kino, Computer etc.“

    Nein, das stimmt so nicht. Alle Steuern wie Einkommenssteuer, Unternehmenssteuer usw. landen heute letztlich in den Preisen beim Konsum. Die Steuer werden einfach durchgereicht und wirklich bezahlen tut es der Konsument. Deshalb kann man alle Steuern (Staatsquote) gleich erst beim Konsum abgreifen. Die Staatsquote beträgt heute schon 50 Prozent. Das entspricht also schon einer Mehrwertsteuer von 100 Prozent. Die Preise würden letztlich identisch bleiben.

    Siehe dazu den Film:
    http://www.videogold.de/das-grundeinkommen

    dort wird das schön an einem Glas Late Macchiato erklärt.

    Gruß
    Alex

  20. Alex sagt:

    pavel schrieb:
    „@Alex: Ich habe die Rechnung im Abschnitt Konsumsteuer mal ergänzt mit Werten aus der Einkommenssteuerstatistik. Das Ergebnis ist, dass immer noch 70% des Geldes benötigt werden, das im Szenario “Jeder bekommt ein Grundgehalt” anfallen. “

    hmm … ich weiß nicht, ob Deine Rechnung überhaupt so gemacht werden kann. Es fehlen bei Dir doch ganz die Zahlen, wer erhält eine Aufstockung durch das Grundeinkommen und wer nicht. Ich wüsste auch nicht, woher man diese Zahlen bekommen soll. Ich fürchte, Deine Rechnung ist schon im Ansatz so nicht rechenbar.

    Grundsätzlich müsste man von jedem Bürger das heutige Einkommen kennen (Daten liegen sicher beim Finanzamt). Dann kann man rechnen: Einkommen + Grundeinkommen – zusätzliche Steuerlast. Das rechnet man für jeden Bürger und addiert auf.

    zusätzliche Steuerlast sind z. B., dass Steuerfreibeträge entfallen würden usw. , die das Grundeinkommen kompensieren für die meisten Bürger.

    Gruß
    Alex

  21. Devender sagt:

    Ein kleiner Fehler ist mir Aufgefallen im Punkt „3. Soziale Giesskanne“

    vom Wohngeld ausgeschlossen sind Empfänger von Arbeitslosengeld 2 und des Sozialgeldes nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch

  22. pavel sagt:

    @alex: Ja, kann sein, dass sich das auf lange Sicht so einpendelt, aber der Übergang wäre ein ziemlicher Crash, oder man müsste das über lange Zeit in kleinen Häppchen machen, 40 Jahre lang jedes Jahr 2% oder so.

    Ansonsten gäbe es riesige Probleme mit Warenbeständen, die nach altem Muster produziert wurden. Immobilien sind ein weiteres Problem, und existierende (versteuerte) Vemögen sind im Nachteil gegenüber neuen, quasi unversteuerten Vermögen. Generell müsste man Regelungen für Lebensversicherungen, Rentenansprüche, Bausparkonten etc. finden.

    Einfacher wäre es, wenn das Ganze nach einer Hyperinflation mit anschliessender Währungsreform käme, aber das kann kaum jemand ernsthaft wollen.

    Und es trifft auch nicht zu, dass alles seinen Preis „wiederfindet“, Rohstoffe und Energie etwa werden dauerhaft teuerer bleiben, was aber nicht schlecht sein muss. Die Aussage, dass die Preise letztlich identisch bleiben, kann also nicht stimmen.

    Ausserdem ist derzeit der Anteil an produktionsbedingten Steuern, Lohnsteuern und Sozialversicherungsabgaben höchst unterschiedlich für verschiedene Produkte; das wird sicher auch zu massiven Preisverschiebungen führen. Preise für lohnintensive Produkte werden wohl stärker fallen als Preise für automatisiert hergestellte Produkte; ob das auf lange Sicht gut ist, kann ich nicht beurteilen, es ist sicher kurzfristig erst mal beschäftigungsfördernd. Ausserdem würde die Steuer ja nicht auf exportierte Produkte erhoben, was sicher den Export fördert, die Konsumenten unserer Exportprodukte würden aber quasi gar nichts mehr in unser System einzahlen. Das würde dann durch höhere Steuern auf Importe kompensiert, aber insgesamt käme es auch hier zu massiven Verschiebungen.

    Alles in allem kann wohl niemand vorhersagen, was wirklich passieren wird, die Komplexität eines solchen Vorhabens ist meiner Meinung nach nicht beherrschbar. Es könnte gutgehen, es könnte sich aber als gewaltiger Schuss in den Ofen erweisen, in jedem Fall würde es gewaltige Verschiebungen in unserer Volkswirtschaft geben.

    Pavel

  23. Georg sagt:

    @pavel: Ich glaube, du hast mich etwas falsch verstanden. Ich meinte, dass Konsumsteuer und Grundeinkommen zusammen auch progressiv in Bezug auf das Einkommen wirken, dass also Reiche mehr Steuern bezahlen als Arme. Dazu auch nochmal ein direkter Link zur entsprechenden Stelle im Grundeinkommens-Film: http://www.youtube.com/watch?v=wgMvfj3GWXU#t=6m1s

    Bei deinen Berechnungen, wieviel Geld zur Finanzierung aufgebracht werden müsste, vernachlässigst du auch, dass durch das Grundeinkommen die Löhne sinken könnten und dadurch Raum für Steuern entsteht.

    Bsp.: Angenommen, heute verdient ein Angestellter 1000 EUR. Wenn er nun 600 EUR Grundeinkommen erhalten würde, könnte der Chef ihm nur noch 400 EUR zahlen und der Angestellte hätte insgesamt trotzdem das gleiche (ob er sich darauf einlässt, ist natürlich ne andere Frage, abhängig davon, wie gut ihm der Job gefällt oder ob ihm allein das Grundeinkommen zum Leben reichen würde …)

    Aber angenommen, beide lassen sich darauf ein, dann hätte der Chef jetzt 600 EUR gespart. Er könnte das als Gewinn einsteichen. Da aber auch andere Chefs 600 EUR sparen, könnte sich ein anderer Chef sagen: Ich mach damit meine Produkte billiger. Ein Preiskampf entsteht also, die Preise fallen.

    Und nun kommt die höhere Konsumsteuer. Die steigt um soviel, dass die Preise wieder so hoch sind wie heute. Und finanziert damit das Grundeinkommen.

    (Ist jetzt alles eine Vereinfachung, aber das Prinzip ist hoffentlich verständlich 🙂 )

    Die Finanzierungslücke, also das, was extra aufgebracht werden müsste, ist nur das Geld für die Leute, die heute weniger als das Grundeinkommen zur Verfügung haben, also Studenten, ALG2, Niedriglohnarbeiter. Und auch da nur die Differenz zur Grundeinkommenshöhe.

    Ich kann wie meine Vorreder auch sehr den Grundeinkommens-Film empfehlen:
    http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen

  24. Alex sagt:

    pavel schrieb:
    „@alex: Ja, kann sein, dass sich das auf lange Sicht so einpendelt, aber der Übergang wäre ein ziemlicher Crash, oder man müsste das über lange Zeit in kleinen Häppchen machen, 40 Jahre lang jedes Jahr 2% oder so.“

    das ist so ziemlich genau das, was in dem Modell von Götz Werner beschrieben wird.

    Pavel schrieb:
    „Und es trifft auch nicht zu, dass alles seinen Preis “wiederfindet”, Rohstoffe und Energie etwa werden dauerhaft teuerer bleiben, was aber nicht schlecht sein muss. Die Aussage, dass die Preise letztlich identisch bleiben, kann also nicht stimmen.“

    da hast Du schon Recht, war etwas grob formuliert von mir. Aber im Mittel passt es schon.
    Alles was importiert wird, wird teurer, weil dort ausländische Steuern weiterhin enthalten sind, was jedoch die Nachfrage nach inländischen Produkten wiederrum stärkt.

    Pavel schrieb:
    „Ausserdem ist derzeit der Anteil an produktionsbedingten Steuern, Lohnsteuern und Sozialversicherungsabgaben höchst unterschiedlich für verschiedene Produkte; das wird sicher auch zu massiven Preisverschiebungen führen. Preise für lohnintensive Produkte werden wohl stärker fallen als Preise für automatisiert hergestellte Produkte; ob das auf lange Sicht gut ist, kann ich nicht beurteilen, es ist sicher kurzfristig erst mal beschäftigungsfördernd. Ausserdem würde die Steuer ja nicht auf exportierte Produkte erhoben, was sicher den Export fördert, die Konsumenten unserer Exportprodukte würden aber quasi gar nichts mehr in unser System einzahlen. Das würde dann durch höhere Steuern auf Importe kompensiert, aber insgesamt käme es auch hier zu massiven Verschiebungen.“

    massiv sind die Verschiebungen vermutlich nicht. Aber grundsätzlich stimme ich Dir zu. Die Beschäftigungsförderung ist sogar erwünscht vgl Thema Senkung der Lohnnebenkosten.

    Pavel schrieb:
    „Alles in allem kann wohl niemand vorhersagen, was wirklich passieren wird, die Komplexität eines solchen Vorhabens ist meiner Meinung nach nicht beherrschbar. Es könnte gutgehen, es könnte sich aber als gewaltiger Schuss in den Ofen erweisen, in jedem Fall würde es gewaltige Verschiebungen in unserer Volkswirtschaft geben.“

    hier beschreibst Du jetzt nur den Effekt, dass alle Steuern über die Mehrwertsteuern erhoben werden, was grundsätzlich unabhängig vom bedingungslosen Grundeinkommen ist.

    Damit es nicht zu einem Crash kommt, soll eine solche Umstellung ja sehr langsam durchgeführt werden. Falls es unerwartet zu negativen Effekten kommt, kann man auch stoppen und den Prozess sogar wieder umkehren.

    Gruß
    Alex

  25. verbeamtung für alle, sagt:

    darauf läufts doch hinaus.

    die aufschlüsselung des bip finde ich merkwürdig:
    1% in der landwirtschaft, obwohl deutschland europas grösster lebensmittelexporteur ist (intensive landwirtschaft nennt man so was)?
    wo fällt denn ne autowerkstatt rein: produzierendes gewerbe, unternehmensdienstleister, privater dienstleister oder verkehr???
    ganz schöne augenwischerei, denke ich.

    die warenproduzierende gesellschaft geht ihrem ende entgegen:
    freie software müsste eigentlich „freie soft“ heissen, denn für den warenaustausch wird sie nicht hergestellt.
    ein-euro-jobber sind auch kein teil der warenproduzierenden gesellschaft. obwohl sie diese beeinflussen.

    der vergleich vom 60er-jahre-facharbeiter mit nem heutigen alg-2-empfänger ist weltfremd. welcher arbeitslose kann sich denn noch ein motorrad oder so leisten?
    alg 2=mangelernährung!

    ein grundeinkommen wird sich natürlich auf die löhne auswirken.
    die tarife würden relativ schnell um die höhe des gk gesenkt werden, so wie jetzt schon viele ostdeutsche vollzeit-friseure sozialleistungen erhalten.

  26. Trojaner-Diskussion sagt:

    Fehler beim Grundeinkommen: es ändert nichts am grundlegenden System einer profit-orientierten Wirtschaftsordnung. Genau deshalb hat es rein gar nichts zu tun mit „Kommunismus“ und es bietet auch keine Alternative zur bestehenden Systemkrise. Ja, es GIBT Alternativen zu einer profit-orientierten Wirtschaftsordnung – allerdings wollen diejenigen, welche diese Profite einsacken, wenn vorhanden, eine Diskussion genau darüber gar nicht erst entstehen lassen. Das „Grundeinkommen“ ist ein trojanisches Pferd.

    Ich bitte alle beteiligten darum, sich eingehend mit der notwendigen Grundlagen-Literatur zu befassen, um volkswirtschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen. Ja, Marx gehört zu den Grundlagen und seine Thesen sind nicht widerlegt, sondern erfahren durch die aktuellen Entwicklungen Bestätigung. Medial gehypte Begriffs-Verkürzungen und inhaltsvariable Worthülsen bitte auch besser meiden. Es muss nichts neu erfunden werden, alles ist bereits 1000 x geschrieben und gesagt. Wir müssen lediglich die Profite abschaffen – Geld vermehren um des Geldes Willen hat keinen gesellschaftlichen Nutzen, sondern zerstört den Wohlstand all derer, die nicht zur kleinen Gruppe der Profiteure gehören. Ganz einfach.

    Das vermeintliche Teilhaben der „breiten Masse“ am Profit ist eine korrumpierende und irreleitende Diskussion, die Rückfinanzierung dieser Wohlstands-Verheissung durch die Beschenkten selbst ein perfider und absurder Zynismus. Die Lösung ist viel einfacher: Bindung der Zahlungsmittel an reale Werte, Verbot virtueller Finanzprodukte und jeder Asoziale, der mehr als eine Miillionen haben will zur Befriedigung seiner Gier kommt zur Resozialisierung in die Erziehungsanstalt oder darf wahlweise als Altenpfleger weiter der Gesellschaft dienen. Wir müssen aufhören, in der stillen Hoffnung auf den eigenen Reichtum die absurde Anhäufung von Geld zu tolerieren, weil sie eine asoziale Grundhaltung fördert.

  27. Wolf-Dieter sagt:

    Der Zusammenhang von steigender Produktivität bei gesättigten Märkten einerseits und daraus folgender Arbeitslosigkeit andererseits hat bereits Karl Marx prognostiziert. Bei ihm heißt es „Verelendung des Proletariats“. — Es macht uns Alt-68ern nicht wirklich Spaß, dass seine Thesen sich spät, aber drastisch als wahr erweisen, denn: Pleite ist Pleite.

  28. Tony sagt:

    „Das wurde lange Zeit zum Teil damit kompensiert, dass die Arbeitszeit gesenkt wurde, die verbleibende Arbeit also verteilt wurde und viele einfach weniger gearbeitet haben.

    Wenn alle dabei mitmachen, ist das sicher sinnvoll, stösst aber irgendwann auf Grenzen, denn zwei Arbeiter, die nur halbtags arbeiten, brauchen zwei Wohnungen, und jemand der nur halb so viel arbeitet, zahlt auch weniger Steuern und Sozialabgaben, verursacht aber volle Kosten etwa im Gesundheitswesen.“

    Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich? Sicher, das stößt irgendwann an seine Grenzen, aber mir scheint Du hast da was nicht verstanden…

  29. Svenska sagt:

    Du vergisst einen wichtigen Fakt: Die menschliche Dummheit.

    Wenn du jedem Menschen 100.000 € Startkapital gibst (ob zur Geburt oder später), dann wird nur ein Bruchteil dieses Kapital sinnvoll nutzen.
    Ein Großteil der Eltern wird den Anteil versaufen oder verschwenden, bzw. viele Jugendliche werden nicht anders handeln.

    Diese werden in keinem Falle die Altersvorsorge in Betracht ziehen und unsere Medienlandschaft – allen voran das Fernsehen – tut ihr Übriges.

    Daher bin ich auch nicht der Ansicht, dass die Fernsehgesellschaft zur Internetgesellschaft konvertieren wird, denn Internet erfordert vor allem eins: das Mitmachen und damit das notwendige Wissen bzw. die notwendige Intelligenz.

    Gruß

  30. foobar sagt:

    Schön, dass jemand bezüglich der Kopplung von Bedürfnisbefriedung und Ware Arbeitskraft sowie bezüglich der Informationsgesellschaft zum selben Ergebnis kommt wie ich. Das macht doch Mut. Vielleicht lebe ich ja noch lange genug, das etwas in Richtung der utopischen menschlichen Gesellschaft in Star Trek auf den Weg gebracht wird und irgendwann mal „Menschen, die arbeiten um sich selbst und den Rest der Menscheit zu verbessern“ leben werden. Eigentlich haben wir ja schon damit angefangen, siehe (nicht nur diesen) Blogpost, die Kommentare, …

    Jedenfalls wünsche ich mir, dass Roddenberry für Gesellschaftsmodelle wird, was Gibson für die IT war.

  31. Florian sagt:

    Ich möchte die Negative Einkommensteuer in die Diskussion einbringen. Die wäre vielleicht ein nächster Schritt in Richting BGE.

    Im Beispiel im Wikipedia-Artikel ist von Steuerschuld = (1/3 * Einkommen) – 5000 €/Jahr die Rede, die 5000 € könnten vielleicht eher variabel sein.

    Dieser Steuersatz (der in seiner Einfachheit selbst Merz‘ Bierdeckelsteuer schlägt) könnte auf jegliches Einkommen (Arbeitseinkommen, Aktiengewinne, Zinsgewinne, Erbschaften) unter Streichung sämtlicher anderer Steuern angewendet werden.

  32. Grmsgrms sagt:

    „Wenn Nahrung, Güter und Dienstleistungen in Zukunft praktisch im Überfluss und zu geringen Preisen verfügbar sein werden“

    Diese Aussage sehe ich sehr skeptisch. Das wird nur dann möglich sein, wenn die Menschheit ihren Energiebedarf mit regenerativen Energien decken kann.

    Aber – so absurd das klingt: das wird nie passieren.

    Der Mensch wird immer nach „mehr“ gieren. Und die Gier wird eines Tages so groß sein, dass wir trotz effizienter Technologien und „regenrativer“ Energiequellen nicht zu Rande kommen können.

    Warum? Nun „regenerative“ Energien sind nur scheinbar regenerativ – sie nutzen letztlich die Energie der Sonne (egal ob Wind, Bio-Energie, Solar-Energie). Neben der Solar-Energie bliebe noch die Kernfusion – deren Brennstoff ist ebenso endlich.

    Die Lösung unserer Probleme wird wohl eher sein, dass der Mensch Mäßigung lernt. Wir müssen lernen uns zwei Fragen zu stellen:

    1. Ist jeder Konsum-Spaß es wert, unsere biologische Lebensgrundlage zu gefährden? (Rohstoffe, Energieträger, Böden etc.)

    2. Ist jeder Konsum-Spaß es wert, andere Menschen dafür Leiden zu lassen?

    Diese Fragen müssen wir uns wohl immer wieder stellen. Kaufe ich mir ein Notebook von Dell/Apple/XY wenn ich weiß, dass dafür Landschaften versaut und chinesische Wanderarbeiter versklavt wurden – oder verzichte ich da lieber erst mal drauf und begnüge mich mit den Gütern, die ich schon besitze…

  33. Julian sagt:

    Du machst leider einen grundsätzlichen Denkfehler im Abschnitt
    „Machen wir nun ein paar Rechnungen, wie das mit dem Grundeinkommen in der Theorie so aussehen könnte:“

    Bei 1. (kommunistische Utopie) gehst Du davon aus, dass jeder das gleiche Gehalt bekommt, egal, was er arbeitet. Und auch 2. und 3. gehen von diesem Ansatz aus.

    Doch in Wirklichkeit fließt das Grundeinkommen von unten in das individuelle Einkommen ein. Bei denen, die ohnehin besser verdienen, ändert sich unter dem Strich also gar nichts beim Einkommen, nur diejenigen, die jetzt mit weniger dastehen, haben einen „Vorteil“.

    Andererseits: Wie kann das Konzept eines Grundeinkommens denn als Utopie gelten? Ich halte eine Gesellschaft für absolut verachtenswürdig, die sich aus Gründen der Gewinnmaximierung *nicht* um die kümmert, die durch das Raster fallen.

    Und „Schwund“ gibt es immer, wird es immer geben. Egal, welche Gesellschaft Du aufbaust, es wird immer irgendwelche Leute geben, die durch das Raster fallen. Selbst beim Grundeinkommen, doch die sind dann wenigstens nicht mittellos.

  34. sokratisch, nicht platonisch sagt:

    Ich habe zwei Fragen.

    Erstens: Was ist mit „Wachstum“ gemeint? Gibt es einen Unterschied zwischen „natürlichem“ W., das sich z.B. allein durch wachsende Erfahrung/Know-How ergibt, und einem W., das notwendig einer – durch den Zinseszinseffekt – inflationär zunehmenden Geldmenge folgen muss (Hebelwirkung)?

    Zweitens: Was ist mit der Staatsverschuldung und – in der Entsprechung dazu – was wird aus den Vermögen? Ist Eigentum Diebstahl, oder eine (soziale) Verpflichtung? Warum werden z.B. die Mieten meistens gesteigert und höchst selten gesenkt – selbst wenn die Immobilie an Marktwert verliert? Müsste es nicht eher so sein, dass ein Mieter ab einer gewissen gezahlten Mietsumme einen Eigentumsanspruch auf die Immobilie erwirbt?

    Genauso, wie die Menschen ein wie auch immer geartetes Einkommen sowieso haben, findet eine Umverteilung auch sowieso statt. Beides lässt sich anders denken als derzeit verwirklicht, und mit einem Menschenbild, das dem Andern etwas zutraut, statt ihm zwanghaft zu misstrauen, auch im Sinne eines BGE organisieren.

  35. Max sagt:

    @acid

    Bei Einführung einer Konsumsteuer und Abschaffung der Lohnsteuer, gäbe es keine Schwarzarbeit mehr 🙂

    Bei Senkung der Lohnnebenkosten mit Flat-Tax plus höherer Mwst. (mein bevorzugtes Grundeinkommens-Steuermodell), wären die Schäden durch Schwarzarbeit zumindest verringert.

  36. stuff sagt:

    „…wie menschenverachtend eine „reine Marktwirtschaft“ sein müsste und dass sie in letzter Konsequenz in die weitgehende Vernichtung der Menschheit münden und zum Stillstand ihrer Entwicklung führen würde.“

    Jungs und Mädels, wie wärs mit ein wenig Geschichte? Müsste? War da nicht was, von Weltkriegen, KL in allen Varianten, Hungersnöten? Ich meine Hungersnöte, die nur aus dem Grund stattfanden, diese genannte Umverteilung zu verhindern? Du meinst diese 5% der Alles-Eigentümer liessen nur eine Diskussion im z. B. Bundestag zu? Eine Partei, die sowas fordert ist in kürzester Zeit – so schnell käme man mit dem Lesen nicht nach – die sog. Kinderpornographieraubmordkopiererpartei! Oder was denkst Du, warum die den Kommunismus „als in Europa umhergehendes Gespenst“ empfanden? Die Einleitung, dass Du kein Kommunist, Sozialist u. dgl. seist, kannst Du dir sparen, das glaubt (von diesen 5% und deren Dienstleistern) keiner!

    Stuff

  37. stuff sagt:

    Nachtrag zu Svenska:

    Dummheit sieht so aus, im zitierten Artikel schön beschrieben, Beispiel „Islamismus“:

    http://www.balzix.de/el%200809%20Die%20Exhumierung%20Gottes.html

    Stuff

  38. Schattenmensch sagt:

    Hm, wie vertrauenswürdig ist die Rechnernei mit der Prämisse?:

    ::::Ich bin kein Anhänger sozialistischer oder kommunistischer Ideen, und habe ernste Zweifel am Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens::::

    Vor allem da die Wirtschaft ja kein starres Gebilde ist sondern ineinandergreifende Kreisläufe, was ja auch den Volkswirtschaftlern die dafür ausgebildet wurden zu schaffen macht. Gerade mit Zahlen läßt sich ja so viel drehen oder unabsichtlich falsch machen, weil die Blöcke die man damit zusammenzieht abstrakt sind. Zumal hier ja gleich das BGE in einen diskreditierenden Zusammenhang gestellt wird, obwohl das BGE sehr gut analog zum Kapitalismus integriert werden kann. Stimmt, auch die Volkswirtschaftler schlagen sich die Köpfe ein, aber nicht über die Volkwirtschaft, sondern über die unterschwellig mittransportierte und projizierte Ideologie („freier Markt“).

    Ich bin übrigens ohne Arbeit, seit 4 Jahren, trotz IQ über 130, oder gerade deswegen, wie mans nimmt. Mir wäre es egal wie man das nennt, von mir aus auch HartzIV, aber der Zwang muss weg. In einer Gesellschaft in der noch nicht einmal mehr willige, intelligente Menschen an angemessene Arbeit herankommen, erfüllt der Zwang zur Arbeit, das „fordern“ den Tatbestand der Nötigung.

    Für mich ist das keine These, über die man sich mal meta in einem Blog unterhält, mir atmen die Repressionsbehörden in den Nacken…vernichten meine Motivation. Es ist keine Übertreibung, dies als öffentlichen Strafvollzug zu bezeichnen. Was ist mein Verbrechen?

  39. Alex sagt:

    @ Schattenmensch

    geh nach bge-forum.de .
    kannst ja da bei den Aktionen mitmachen.
    vielleicht gibt es ja im Herbst eine Partei im Bundestag, die das BGE einführt 😉

    Gruß
    Alex

  40. „2000 Euro pro Kopf, also fast 8000 Euro netto für eine vierköpfige Familie wären drin, wenn wir hier den absoluten Kommunismus einführen und alles umverteilen.“

    Falsch. Denkfehler. Wenn wir den absoluten Kommunismus einführen, gibt es kein Geld mehr. Also nichts mehr, was man umverteilen kann. Das ist ja der Witz am absoluten Kommunismus. Das ginge allenfalls im Sozialismus, aber das ist die Vorstufe. Wieder nicht aufgepasst in der Schule;-) so viele „Experten“ und keiner hat’s gemerkt;)

  41. akbwl sagt:

    Ein System, das den Personen, die Leistung bringen, den entsprechenden Gegenwert nicht zugestehen will, sondern alles Umverteilt, kann nicht existieren. Beispiel Photo Porst, der hat in den 80ern alle Mitarbeiter gleich bezahlt, kaum einer hat noch wirklich Leistung gebracht, das Unternehmen ging pleite.
    Und ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt es in Deutschland. Inkl. Mietanteil beträgt es ca. 500,00 für Erwachsene, es wird Hartz IV genannt.
    Und die Umverteilungsrechnung oben hat einen großen Haken: Im Volkseinkommen sind große Anteile Kapitaleinkünfte. Wenn die Kapitalgeber aber nicht hinreichend bezahlt werden, entziehen sie das Kapital (damit ist nicht nur Geld, sondern auch Grundstücke/Immobilien gemeint) dem Kreislauf, genauso wie Personen, die durch Gleichbezahlung aller weniger oder keine Leistung mehr erbringen. Notwendige Konsequenz: Enteignung und Verbot von Privateigentum. Und das hat bisher jeder sozialistische/kommunistische Versuch gezeigt: Es geht den Bach runter. Alle linken Systeme, die länger funktionieren, sind auf den Privatwirtschaftlichen Sektor angewiesen.

  42. mEDI sagt:

    „Grmsgrms:
    Der Mensch wird immer nach “mehr” gieren. Und die Gier wird eines Tages so groß sein, dass wir trotz effizienter Technologien und “regenrativer” Energiequellen nicht zu Rande kommen können.“

    Verallgemeinere das nicht auf „den“ menschen denn das ist ein gesellschaftliches Problem. In anderen Kulturen gibt/gab es diese Problematik z.b. gar nicht bzw. nicht in dieser form
    diese Kulturen wurden meist von unserer Zivilisation überrand, ausgebeutet, zerstört was leider sehr schade ist denn sie hatten sicher oft gesellschaftlich mehr wert als der schnöde mamon und die gier.

    diese gier wird heute fast überall gelehrt und gilt als hohes zu erreichendes ziel… wenn man das den jungen menschen also besser und nachhaltiger zu leben beibringen kann sollte man damit genau dort anfangen denn die alten kann man dahingehend nur schwer ändern.

    Das BGE hätte in dieser Richtung auch viele vorteile.
    Eltern mit kindern werden bevorteilt im Gegensatz zum jetzigem System, Singles benachteiligt was wieder ein Familienleben fördern würde.
    Produkte aus dem ausland helfen dem System was zwar jetzt gerade in DE nicht so als goss er vorteil erscheint „als Export Weltmeister ;)“ aber das betrift auch meist Großgüter und ein Großteil des allgemeinen Konsumgutes wird bereits jetzt importiert

    Probleme sehe ich in den Grenzregionen wo es zu massiven grenzüberschreitenden Konsum kommen wird der dank EU und offene grenzen nicht reguliert werden kann ;/ damit wird es dort zu extremen Einbrüchen im Einzelhandel kommen und damit bei den Steuereinnahmen. Genau so beim Bestellungen via Internet usw.

    ich denk also das man solch ein System regional auf keinen Fall umsetzen kann, wenn dann nur global und das durchzusetzen ist nicht nur ein Lebensaufgabe sondern ehr eine Aufgabe die mehr als eine Generation beschäftigen wird

    bzw. nicht zu vergessen die 3. Welt Länder aus denen im falle der Einführung massen zu uns strömen würden die das System sprengen..

    Ein anderes Problem ist wenn das BGE zu niedrig angesetzt wird bzw. die kosten fürs leben zu stark steigen und man vom BGE gerade so nicht leben kann denn genau dann ist es kein Segen sondern genau das gegenteil „wer jetzt an faule Meschen denk ist ein Egoist ;P“ es geht darum das das System andere soziale System ersetzen würde und bedürftige menschen damit extrem benachteiligen würde „Rentner, Behinderte, usw.“ und das BGE ist ja nun nicht als dynamisches System gedacht was sich bei Problemen anpasst wie einige Transferleistungen heutzutage.

  43. Dadie sagt:

    Ein Toller Artikel!

    Einzige Fehlrechnung die mir aufgefallen ist war im
    „Erbschaftssteuer komplett auf die Neugeborenen verteilen“ Teil.

    Sie sagen das man Start-Kapital Verzinst bekommt und davon dann z.B. später als Rente leben kann.

    Nun ist jedoch die Frage:
    Hat sich Geld schon mal vermehrt?
    Oder anders gesagt, Woher kommt das Geld denn das ich nun mehr hätte?

    Wenn ich Heute 1Liter Wasser mehr habe muss jemand 1Liter Wasser weniger haben.
    Ausgenommen es gibt Heute mehr Wasser. Was jedoch den Wert des Wasser im gleichem masse wie seinen Wachstum verringern würde.

    Das Zins-System an sich ist nun mal ein System das immer in einer Inflation Endet. Ausgenommen man wirkt der Produktion von Geld entgegen in dem die Menschen im gleichen masse wie sie durch Zinsen Geld bekommen weniger an Lohn verdienen.

    Exakt das haben wir doch derzeitig!
    Die Konzerne müssen Gewinne machen weil Aktionäre (normale Arbeiter) Investieren und Renditen haben wollen. Damit Renditen ausgezahlt werden können muss wo anders Geld herkommen. Das ist dann über das Produkt wo wir (normalen Arbeiter) uns beschweren das es Teurer wird oder über das Entlassen von Arbeitern wo wir (normale Arbeiter) uns ebenfalls darüber beschweren!

  44. willi sagt:

    Das beingungslose Grundeinkommen hat mehr als einen Pferdefuß.
    Die Unternehmen zahlen um das Grundeinkommen verringerte Löhne. Stattdessen zahlen das die Konsumenten, zu denen aber die Unternehmen nur zu einen kleinen Teil gehören. Die Gewinne sparen reichlich Steuern und verabschieden sich aus den Sozialsystemen. Das Großunternehmer wie Götz Werner (DM) das gut finden ist nachvolziehbar. Dr Wo hat sich genauer damit auseinandergesetzt und zeigt, dass die Idee eine „Falle“ ist. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/werner.htm
    Abgesehen davon: Wenn ein Neoliberaler wie Straubhaar dafür ist kann das nur eins bedeuten -vorsicht! Leute wie er sind nicht als Philantropen verschrien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,473946,00.html
    Lasst euch nicht verarschen.

  45. sokratisch, nicht platonisch sagt:

    @Rationalisten:

    „Sie dürfen die Arbeitslosigkeit nicht bekämpfen, wenn sie sie loswerden wollen“ – sagt Andreas Ackermann in diesem launigen Vortrag (Zitat aus dem youtube-Video Teil 6, am Anfang):

    http://www.youtube.com/watch?v=pAFoRkyloS8&feature=related

    @akbwl

    Und wer definiert „Leistung“? Eine Hausfrau/ein Hausmann leistet keinen volkswirtschaftlich relevanten Beitrag, wenn sie/er kein eigenes Einkommen hat und nur „ausgehalten“ wird?

  46. foobar sagt:

    *Grmsgrms schrieb:*
    > Aber – so absurd das klingt: das wird nie passieren.

    Zwangsläufig _muss_ es passieren, ob uns das passt oder nicht und unabhängig davon, ob wir uns darauf vorbereitet haben oder nicht. Denn, wie du schon selber bemerkst, sind nicht-regenerative Energiequellen endlich.

    > Nun “regenerative” Energien sind nur scheinbar regenerativ – sie nutzen letztlich die Energie der Sonne (egal ob Wind, Bio-Energie, Solar-Energie).

    Scherzkeks. Nach heutigem Kenntnisstand wird die Erde, lange bevor die Sonne ihren Fusionsvorrat aufgebraucht hat, unbewohnbar werden. Da sich die Sonne aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann zum roten Riesen aufblähen und sich dabei die Erde einverleiben wird. Solange die Erde also habitabel ist, ist Sonnenenergie vorhanden. Ich denke das ist für eine Energiequelle regenerativ genug, da es für das Ökosystem Erde die Klassifizierung als „nicht endlich“ erfüllt.

    *akbwl schrieb:*
    > Ein System, das den Personen, die Leistung bringen, den entsprechenden Gegenwert nicht zugestehen will, sondern alles Umverteilt, kann nicht existieren. Beispiel Photo Porst, der hat in den 80ern alle Mitarbeiter gleich bezahlt, kaum einer hat noch wirklich Leistung gebracht, das Unternehmen ging pleite.

    Mit deinem Beispiel zeigst du nur, dass das im Rahmen der Marktwirtschaft nicht möglich ist. Wenn wir den ganzen anderen Mist am realen Sozialismus mal aussen vor lassen: sozialistische Staaten sind als Inselversuch zwangsläufig im globalen Markt verankert und müssen wegen diesem äusseren Zwang den gleichen Weg gehen wie Photo Porst in deinem Beispiel.

  47. kraisi sagt:

    wie kriegt die Menschheit das in Star Trek blos hin… 😀

  48. Mika sagt:

    Hallo Pavel,

    ein kleiner Gedankenanreiz: in der modernen Wachstumstheorie herrscht allgemeiner Konsens, dass sich Wirtschaftswachstum aus den zwei Komponenten Bevölkerungswachstum und Produktivitätswachstum zusammensetzt:

    BIP(t+1) = BIP(t)*(1+g(t))*(1+n(t))

    BIP…Bruttoinlandsprodukt
    g…Produktivitätswachstumsrate
    n…Bevölkerungswachstumsrate

    Nullwachstum heißt nichts anderes als: BIP(t+1)=BIP(t)=const
    Daraus folgt:
    const = const*(1+g(t))*(1+n(t))
    < => 1/(1+n) = (1+g)
    mit ln(1+x) ~ x für kleine x gilt:
    n = -g

    Bei Nullwachstum kann es also unzählige Kombinationen von n und g geben, wobei diese sich ausgleichen müssen!

    Bsp.:
    Bevölkerungswachstum = -2% (=Rückgang)
    Produktivitätssteigerung = 2%

    BIP(t+1) = BIP(t) *1,02 * 0,98
    Hinweis: 1,02*0,98 ist nicht ganz gleich 1 –> siehe log. Transformation

    In diesem Beispiel wird deutlich, dass der Wohlstand je Bürger steigt, obwohl die Wirtschaft nicht wächst. In den letzten 150 Jahren hat die Bedeutung von n zugunsten von g nachgelassen. Vielen ist nicht bewußt, dass ein Großteil unseres Wirtschaftswachstums in der Vergangenheit (und heute z.Bsp. in China oder Indien) auf der Grundausstattung der Bevölkerung mit Häusern, Infrastruktur etc. basiert. Ist die Grundausstattung erreicht (siehe Deutschland, Japan, Benelux, UK – nicht jedoch USA, da dort immer noch n relativ groß ist), kann die Wirtschaft nur noch mit der Rate des technischen Fortschritts g weiterwachsen (zweites Auto, Laptop zus. zum Desktop-PC zählt hier auch zu).

    Vielleicht konnte ich die Diskussion mit diesem Beitrag bereichern.

    Gruß
    Mika

  49. Lupo13 sagt:

    Danke fuer den erfrischenden Artikel.
    Leider greift er meiner Meinung nach zu kurz.
    Denn auch das BGE ist nach wie vor im System namens Wachstum untergebracht. Und genau das wird einfach nicht mehr funktionieren.

    Klar, jetzt kommt die Informationsgesellschaft. Nur hat die sich auch schon fast wieder ueberlebt.

    A.) Wohin soll die denn noch wachsen wo sie doch schon global ist? Woher soll denn das Wachstum kommen? Wie schon angesprochen: Auf die Marsmaennchen wuerde ich nicht zaehlen!

    B.) Der Artikel ist maximal europaeisch ausgelegt. Nur leider sind wir bereits komplett global. Entweder alle oder keiner. Import / Export etc. sind hoffnungslos ueberholt.

    Wir haben global (schon wieder ?) eine Kaste herrschender ‚Adliger‘ die sich von dem Rest der Menschheit vor allem in ihren enormen privilegien unterscheiden. Und die werden sie sich bestimmt nicht friedlich wegnehmen lassen, denn sie verfuegen unter anderem ueber die Ressourcen.

    Ein interessanter Gedankengang von Sloterdijk hierzu im ManagerMagazin:
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,611768,00.html
    Vor allem der letzte Absatz sagt eigentlich alles.

    Der Mensch lernt meist nur durch Schmerzen, und diese neue Ordnung (wie auch immer die aussehen mag) wird wohl sehr schmerzhaft geboren werden.
    Aber hey, wunder geschehen immer wieder!

  50. Das bedingungslose Grundeinkommen nach Götz W. Werner fördert den Meudalismus
    http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/werner.htm

    1. Die Kritik
    Das bedingungslose, konsumsteuer-finanzierte Grundeinkommen, wie es u. a. Götz W. Werner mit viel finanzieller Macht voran treibt (s. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/stundenloehne2005.htm, Rang 65), ist eine heimtückische Falle für unsere Volkswirtschaft. Es lockt die breite, seit Jahrzehnten der Armut verfallenden Bevölkerung wie der Gesang der Sirenen.

    In Wirklichkeit dient es der Festigung des modernen Feudalismus in Deutschland und fördert die weitere Vermögenskonzentration bei unseren zehntausend Meudalherren (und -frauen) in Deutschland:

    1. Diese werden von lästigen Einkommens- und Ertragssteuern befreit, nach heutigem Maßstab in Millionenhöhe. Die Konsumsteuer hängt allenfalls noch vom persönlichen Lebenswandel, aber nicht mehr vom persönlichen Reichtumszuwachs ab. Unternehmer wie die reichsten 300 Deutschen (manager-magazin, Sonderheft 2005), zu denen auch Götz W. Werner gehört, würden ihre Unternehmen völlig steuerfrei betreiben und noch schneller aufblähen als sie es heute können. Konkurrenz am Markt haben sie ohnehin nicht mehr – jedenfalls nicht durch die breite Bevölkerung.*

    2. Hinzu kommt, dass die längst hereinbrechende Gefahr von Umsatzrückgängen auch bei den Unternehmen der Meudalherren (95% der Bevölkerung verliert seit den 1960er Jahren permanent an Kaufkraft) durch das Grundeinkommen abgewehrt wäre.

    3. Götz W. Werner meint schließlich, dass das Grundeinkommen die bestehenden Löhnen und Gehältern substituieren solle (z. B.: Basler Zeitung vom 14.10.2006). In Höhe des Grundeinkommens brauche ein Arbeitgeber keine Löhne und Gehälter mehr zu bezahlen. Ob in diesem Maße der Unternehmer dann auch seinen Umsatz mindert (durch Preissenkung) soll „natürlich“ diesem überlassen bleiben. M. a. W.: Das Grundeinkommen kassiert nicht der Arbeitnehmer, sondern der Unternehmer – zusätzlich zu dem eigenen Grundeinkommen. Bei Götz W. Werner mit etwa 23.000 Mitarbeitern wären das also etwas 23.001 Grundeinkommen in der Schatulle von Götz W. Werner. Arbeitnehmer arbeiten jeden Monat bis zum erreichen der Höhe des Grundeinkommens für den Arbeitgeber umsonst.

    4. Zu bedenken ist schließlich, dass die Koppelung des Grundeinkommens an eine Konsumsteuer – wie Götz W. Werner es verlangt – zu einer Art Garantie für Umsätze bei den Unternehmen ausartet: Denn ohne Umsätze keine Konsumsteuer, ohne Konsumsteuer kein Grundeinkommen.

    Die Meudalherren sichern mit diesem Grundeinkommen à la Götz W. Werner ihre Unternehmensumsätze, ihre Miet- und Darlehenszinsen, senken ihre Lohnkosten, vergrößern ihren Reichtum, drängen die übrige Bevölkerung noch mehr und noch schneller vom Markt und verweisen sie in deren wirtschaftliche Schranken, tragen aber nur noch mit ein wenig Konsumsteuer zur Finanzierung des Grundeinkommens und der Staatsaufgaben bei.

    Chapeau! Sehr schön ausgedacht!

    ——————————————————————————–

    * Ergänzung September 2006:

    Im Geschichtsbuch meines Sohnes (8. Klasse), bsv Geschichte 3 BW, 1. Aufl. München 1998, S. 19, lese ich zur Französischen Revolution:

    „Aus dem Beschwerdeheft der Bauern von Colmare (Normandie):
    1. Wenn der Klerus und der Adel so wie wir zahlten, dann würde das den Staat erheblich stärken und dem unterdrückten Volk Erleichterung gewähren.
    2. Wir erbitten die Abschaffung der indirekten Steuern …“

    Götz Werner will genau das Gegenteil von dem. Es ist schon erstaunlich wie sich die Geschichte immer wieder wiederholt.

    3.3 Bei der Frage der Finanzierung schweigen die Trommeln
    Wenn man die in Deutschland vorhandene Geldmenge ansieht ( z. B. in http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/kaufkraft.htm ) wäre die Finanzierung des Grundeinkommens überhaupt kein Problem. Man müsste nur nach der Devise verfahren, das Geld dort abzuholen, wo es sich befindet! So könnten schon morgen jedem in Deutschland leicht 1000, 2000 oder gar 5000 Euro monatlich als Grundeinkommen bezahlt werden.

    Aber DAS will Werner überhaupt nicht. Er will die “Konsumsteuer”, delikater Weise bei gleichzeitiger Abschaffung von Einkommen- und Ertragsteuern.

    Die Anhänger des Wernerschen Finanzierungsmodells stellen immer wieder die Behauptung auf, das Grundeinkommen sei mittels „Konsumsteuer“ finanzierbar, ohne sie je einmal überprüfbar vorzurechnen. Das ist folglich nichts als Propaganda!

    Also rechnen wir halt mal selber.

    Zuerst müssen wir mal feststellen, wie viel Geld in z. B. einem Jahr in Deutschland für „Konsum“ ausgegeben wird. Dazu können wir auf die Umsatzsteuerstatistik zurückgreifen, weil schließlich nur der (angebliche) Konsum der Umsatzsteuer unterliegt. Aus der erhobenen Umsatzsteuer rechne ich zurück auf den Bruttobetrag. 2006 wurden 111.318.000.000 € Umsatzsteuer eingenommen ( http://www.destatis.de … ). Eine Statistik mit der dazugehörigen Bezugsgröße habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. Ich rechne einfach mal damit, dass 14 % USt. auf alles erhoben wurden. Daraus ergibt sich ein Bruttobetrag von 906.446.571.429 €, der 2006 „verkonsumiert“ wurde. Dass die Menschen 2007 mehr Geld zum konsumieren auszugeben hatten, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn wir aus diesem Bruttobetrag nun die aktuelle Umsatzsteuer von 19 % („knapp das Fünftel“) berechnen, so kommen wir auf 144.726.763.505 €. Nun tun wir so, wie manche Anhänger der Wernerschen bGE uns weiß machen wollen, dass dieses Geld komplett für das Grundeinkommen verwendet werde. (Um den Einnahmenverlust für Vater Staat kümmern wir uns mal nicht.) Weil wir hier einen Jahresbetrag haben, muss er auch für ein Jahr Grundeinkommen reichen. Bei 82 Mio. Menschen in D kommen wir auf 1764,96 € im Jahr oder auf 147,08 € pro Monat. Tolles Grundeinkommen!

    Natürlich könnten wir die Umsatzsteuer erhöhen und dann in „Konsumsteuer“ umtaufen, so wie es Werner uns vorbetet. Wenn wir nun 50 % „Konsumsteuer“ eingeführt bekämen, dann wird das dem Konsum dienende Geld ja nicht mehr. Aber die Unternehmer, die an Konsumenten liefern und die „Konsumsteuer“ abführen, hätten entsprechend weniger Gewinn – womöglich gingen sie sogar pleite, würde auch nur noch weniger an ihre Arbeitnehmer bezahlen können. Daher würde sich zwar das Grundeinkommen auf sagenhafte 387,05 € pro Monat erhöhen. Aber da die Gewinne der Unternehmer und die Löhne der Mitarbeiter sinken müssten, bliebe in der Summe alles beim alten.

    Konsumsteuer zur Finanzierung heranziehen zu wollen ist totaler Schwachsinn! Werner ist an seinen Rechnungen schon schier verzweifelt. Jetzt backt er schon sehr viel kleinere Brötchen als am Anfang. Siehe nur http://www.unternimm-die-zukunft.de/index.php?id=54. Er hat meines Wissens bis heute noch keine schlüssige Berechnung präsentiert.

  51. hbar sagt:

    Netter Artikel, aber etwas Kritik ist doch nötig:

    „Wenn aber die Produktivität aber immer weiter wächst, wären immer weniger Menschen übrig, bis dann so wenige da wären, dass der Fortschritt zum Stillstand kommt und sich ein Gleichgewicht ergibt. Das alles ist natürlich ziemlicher Unsinn, zeigt aber ganz anschaulich, wie menschenverachtend eine “reine Marktwirtschaft” sein müsste und dass sie in letzter Konsequenz in die weitgehende Vernichtung der Menschheit münden und zum Stillstand ihrer Entwicklung führen würde.“

    Wie du selbst sagst ist das vollkommener Unsinn. Und deshalb zeigt es gar nichts, vor allen nicht dass eine reine Marktwirtschaft in der „Vernichtung der Menschheit“ münden würde.
    Der Denkfehler ist ein ganz einfacher: Effizienz ist unabhängig von der Bevölkerungszahl.
    Wenn 2 Menschen 100 Menschen versorgen können (weil sie effizient arbeiten) dann können 20 Menschen auch 1000 andere vorsorgen und so weiter.
    Deine „Lösung“, die Bevölerung zu reduzieren, ist einfach keine. Und daran scheitert dann die Argumentation.

  52. nexuslex sagt:

    Vielen Dank für die Aufklärung und Bereicherung . Whuffie!!!

  53. Schattenmensch sagt:

    (Danke für den Tip Alex.)

    Lieber Herr Dr. Wozniewski.

    Deine Kritik am Wernerschem BGE hat fast schon verschwörungstheorhetische Züge und wirkt doch sehr persönlich, erinnert an zwei Alphamänner die sich in die Haare geraten sind und das auf hohem Niveau austragen.

    Was ist aber mit uns, mit Leuten wir mir? Die Arbeitslosen. Die Arbeit stirbt in schnellen Schritten und die 80:20 Gesellschaft könnte längst Realität sein. Für uns Arbeitslose wäre das BGE eine Befreiung, uns trifft der Meudalismus schließlich am härtesten.

  54. ein anderer sagt:

    Schattenmensch: Arbeitslose bekommen weniger Mittel, weil sie keine Mittel erwirtschaften. Wenn Sie tatsaechlich den von ihnen behaupteten IQ von >130 haben, so ist Ihre Arbeitslosigkeit 100%ig selbstverschuldet und Sie sollten sich damit zurueckhalten, weitere Forderungen zu stellen.

    Es sind naemlich Einstellungen wie Ihre, die mich und sicher auch andere davon ueberzeugen, dass HartzIV-ler definitiv keine weitere Besserstellung benoetigen. Was glauben Sie, wie man sich als von 450EUR pro Monat lebender Student fuehlt (von denen man aber alles, inkl. Miete, selbst bezahlen muss!), wenn einem Arbeitsloser erklaert, von HartzIV koennte man nicht wuerdig leben?

    Das ist kein Neidargument, die Frage ist einfach: Wie kommt man dazu solche Ansprueche zu stellen, wo man doch eigentlich gar nichts leistet? Keinen Wert erschafft?

    Die Wahrheit ist: In dem Masse, in dem den Leuten der Ansporn genommen wird, fleissig zu sein, in dem Masse hoeren sie auch auf, fleissig zu sein und zu arbeiten. *NIEMAND* arbeitet freiwillig als Muellmann, Altenpfleger oder Supermarktkassierer.

  55. ein anderer sagt:

    Schattenmensch: Arbeitslose bekommen weniger Mittel, weil sie keine Mittel erwirtschaften. Wenn Sie tatsaechlich den von ihnen behaupteten IQ von >130 haben, so ist Ihre Arbeitslosigkeit 100%ig selbstverschuldet und Sie sollten sich damit zurueckhalten, weitere Forderungen zu stellen.

    Es sind naemlich Einstellungen wie Ihre, die mich und sicher auch andere davon ueberzeugen, dass HartzIV-ler definitiv keine weitere Besserstellung benoetigen. Was glauben Sie, wie man sich als von 450EUR pro Monat lebender Student fuehlt (von denen man aber alles, inkl. Miete, selbst bezahlen muss!), wenn einem Arbeitsloser erklaert, von HartzIV koennte man nicht wuerdig leben?

    Das ist kein Neidargument, die Frage ist einfach: Wie kommt man dazu solche Ansprueche zu stellen, wo man doch eigentlich gar nichts leistet? Keinen Wert erschafft?

    Die Wahrheit ist: In dem Masse, in dem den Leuten der Ansporn genommen wird, fleissig zu sein, in dem Masse hoeren sie auch auf, fleissig zu sein und zu arbeiten. *NIEMAND* arbeitet freiwillig als Muellmann, Altenpfleger oder Supermarktkassierer.

  56. Ping sagt:

    Lustig diese Leute die immer von sich auf Andere schließen…

  57. Schattenmensch sagt:

    Also ich freue mich ja, dass nun schon wenigstens mal geklärt ist, dass zumindest normal und unterdurchschnittlich Begabte nicht selbst schuld sind:-) Wer hätte gedacht, dass die Arbeitsreligiösen und Gewinner-Chauvinisten in so fern Fortschritte machen können, daß nur noch die Begabten und Hochbegabten selbst schuld sind:-)

    Die Kombination „arbeitslos & intelligent“ sorgt immer für Verwirrung bei Leuten deren Gedankenwelt stark schabloniert ist.

    Allerdings deuten deine Annahmen nicht nur auf eine empathische Minderbemittlung hin, sie sind auch rein sachlich Trugschlüsse.

    Es gibt drei Verknüpfungen mit Informationen, die dir vielleicht helfen können, zumindest bei den Trugschlüssen.

    http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit
    http://www.meudalismus.dr-wo.de/
    http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen

    Problem bei Menschen mit einer stark schablonierten Gedankenwelt, ist die starke Reaktion auf Schlagwörter und Symbole, und in diesen Verknüpfungen kommen gleich mehrere Schlagwörter vor die sich mit der Feindseite assoziieren lassen, worauf die Links oft gar nicht angeklickt werden. Damit beweist der „Schablonenmensch“ allerdings, dass es ihm nur um die eigene Ideologie geht, und die erschöpft sich in der Regel mit der Sicherung der eigenen Privilegien oder im schlimmsten Fall der Projektion der eigenen Misere, sowie die Abwertung der „Andersartigen“ zur Rettung des eigenen Selbstwerts. Eine Art psychologischer Bailout.

  58. aloa5 sagt:

    Eine typische BGE-„Berechnung“. Da sind eine ganze Menge an Löchern in der Logik. Angefangen damit, das inzwischen schon jeder 5te für die Gesundheitsvorsorge arbeitet

    Grüße
    ALOA

  59. aloa5 sagt:

    Eine typische BGE-„Berechnung“. Da sind eine ganze Menge an Löchern in der Logik. Angefangen damit, das inzwischen schon jeder 5te für die Gesundheitsvorsorge arbeitet

    Grüße
    ALOA

  60. aloa5 sagt:

    Als Einstiege empfehle ich des weiteren einen Zeit-Artikel:
    http://www.zeit.de/2007/16/Grundeinkommen?page=all

    und eine Feldstudie aus den USA aus den End-70ern mit der Abnahme der Arbeitsbereitschaft für je eine Gruppe welche für 3- bzw. 5 Jahre ein BGE in Form einer negativen Einkommensteuer erhalten haben (wird vom Zeit-Artikel zitiert):
    aspe.hhs.gov/HSP/SIME-DIME83/report.htm#tab4

    ALOA

  61. alder sagt:

    fuck communist alder

  62. CELA sagt:

    Ich meine es müssen erweiterte, atomare Berechnungsmodelle her die auch die psychologischen Ansätze von Änderungen berücksichtigen.
    Können wir erst die Auswirkungen erst einmal halbwegs berechnen und simulieren, könnte man darüber nachdenken, diese auch einmal versuchsweise umzusetzen.
    Alles andere halte ich für zu gefährlich.
    Ein andere interessanter Ansatz wäre eine Art DDR zu bauen, welche per Computer gesteuert die 4-jahres Pläne auf 4-minuten Pläne herunterbricht. Ein korrekt initialisiertes und korrekt gewichtetes System hätte vermutlich (zumindest bis andere Länder gleichziehen) auf dem Weltmarkt einige Vorteile und vielleicht könnte man das auf die Welt ausweiten.
    Inweiweit da aber noch Begriffe wie „Wert“ und deren Erhalt zählen können, weiß ich nicht.

  63. shibumi sagt:

    „Derzeit werden in Deutschland jedes Jahr 684.000 Menschen geboren. Würde man die Erbschaftssteuer komplett auf die Neugeborenen verteilen, erhielte jeder rund 6100 Euro.“

    diese rechenbeispiele bringen meines erachtens nicht viel, denn es ist nun mal so, dass der staat alles aufsaugt. bei einer staatsverschuldung von über 1 billion wird der staat auf jeden cent achten und den sicher nicht an neugeborene rausrücken.

  64. Alex sagt:

    hallo pavel,

    vielleicht noch ein Gedanke, warum es zur Krise kam:

    künstliches Wachstum durch Kredite.

    Als das Wachstum zu gering war 2001/2002 hat man die Zinsen für Kredite abgesenkt und auch die Vergaberichtlinien gelockert. So erhielten die Konsumenten Geld, das noch nicht erwirtschaftet war, und konnten so den Konsum und damit das Wachstum wieder anheizen. Aber das war kein echtes Wachstum. Dadurch entstand eine Blase. Diese Blase muss platzen, sobald der obere Scheitelpunkt des Wachstums erreicht ist. Das geschah gerade dann, als der Ölpreis sehr hoch war und jedes weitere Wachstum absorbierte.

    Das gesamte künstliche Wachstum der letzten Jahre verschwindet jetzt innerhalb weniger Monate.

    Und was tut man dagegen? Richtig: Man senkt die Kredite, um den Konsum und damit das Wachstum anzuregen.

    Wir sind schon mitten in dieser Wachstumsfalle.

    Gruß
    Alex

  65. Alex sagt:

    oben vom Text:
    „Die meisten Modelle für Bedingungloses Grundeinkommen gehen irgend wie davon aus, dass man nur denen etwas zahle solle und müsse, die zu wenig haben. Obwohl ich der Meinung, bin das es sich bei diesem Modell um einen Ettikettenschwindel handelt und wir ein solches Modell aus finanzieller Sicht ja beinnahe haben, …“

    da hast Du es erfasst: die meisten Modelle des BGE sehen es so vor. Ein BGE ist eben nicht eine komplette Umverteilung der Einkommen. Wir sind heute schon – finanziell gesehen – nahe dran. Deshalb stellt sich die Frage nach der Finanzierbarkeit ja auch gar nicht mehr, weil wir es heute ja schon tun.

    Und doch ist es ein großer Unterschied: Heute wird immer erst geprüft und gefordert, eventuell gekürzt oder mit Kürzung gedroht, bevor eine Zuwendung ausbezahlt wird. Eventuell muss man das Geld einklagen, man muss Amtstermine wahrnehmen und einhalten, kann zu 1 Euro-Jobs gezwungen werden. Beim BGE wird nicht mehr geprüft und nicht mehr unterdrückt. Allein das Finanzamt macht entsprechende Abzüge, wenn man deutlich zuverdient.

    Es erleichtert die Verwaltung erheblich, es nimmt die Angst von den Menschen, die Demütigung sich einer Prüfung unterziehen zu müssen usw. Es ist dann eben keine Schande mehr, kurzfristig oder auch mal längerfristig sich auf sein BGE zurückzuziehen, sei es wegen einer Aus- oder Weiterbildung, sei es um sein Leben neu zu ordnen, Kinder in die Welt zu setzen und zu erziehen, die Eltern oder Großeltern im Alter zu pflegen.
    Man kann zu seinem BGE etwas dazuverdienen, ohne dass dies gleich auf das BGE angerechnet wird.

    Es ist ein anderes Menschenbild, das befreit und das in unsere heutige Zeit gehört, in eine Zeit, in der das ‚Ackern‘ für den notwendigen Lebensunterhalt dank unseres technischen Fortschritts der Vergangenheit angehört.

    Gruß
    Alex

  66. elfboi sagt:

    Was ist mit Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes überflüssig sind? Menschen, die keinerlei Fähigkeiten besitzen, die für die Gesamtgesellschaft irgendwie interessant sind? Menschen, die einfach nur da sind? Solche Menschen müssen auch leben!

    Die Zahl der Nutzlosen, der Überflüssigen wächst immer weiter an. Ein wie auch immer geartetes Startkapital würde diesen Menschen nicht lange helfen – sie würden eine Weile davon leben, dann wäre es weg. Niemand hat eine sinnvolle Arbeit für diese Leute, denn sie können nichts, was Maschinen nicht zuverlässiger und billiger könnten. Eine Förderung für gesellschaftlich interessante Tätigkeiten im kulturellen oder sozialen Bereich würde diese Menschen auch nicht erreichen. Einzig und allein ein bedingungsloses Grundeinkommen kann diese Menschen versorgen, wenn sie als Handlanger der Industriemaschinen nicht mehr gebraucht werden.

  67. Schattenmensch sagt:

    @ein anderer

    Also ich freue mich ja, dass nun schon wenigstens mal geklärt ist, dass zumindest normal und unterdurchschnittlich Begabte nicht selbst schuld sind:-) Wer hätte gedacht, dass die Arbeitsreligiösen und Gewinner-Chauvinisten in so fern Fortschritte machen können, daß nur noch die Begabten und Hochbegabten selbst schuld sind:-)

    Die Kombination „arbeitslos & intelligent“ sorgt immer für Verwirrung bei Leuten deren Gedankenwelt stark schabloniert ist.

    Allerdings deuten deine Annahmen nicht nur auf eine empathische Minderbemittlung hin, sie sind auch rein sachlich Trugschlüsse.

    Es gibt drei Verknüpfungen mit Informationen, die dir vielleicht helfen können, zumindest bei den Trugschlüssen.

    http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit
    http://www.meudalismus.dr-wo.de/
    http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen

    Problem bei Menschen mit einer stark schablonierten Gedankenwelt, ist die starke Reaktion auf Schlagwörter und Symbole, und in diesen Verknüpfungen kommen gleich mehrere Schlagwörter vor die sich mit der Feindseite assoziieren lassen, worauf die Links oft gar nicht angeklickt werden. Damit beweist der „Schablonenmensch“ allerdings, dass es ihm nur um die eigene Ideologie geht, und die erschöpft sich in der Regel mit der Sicherung der eigenen Privilegien oder im schlimmsten Fall der Projektion der eigenen Misere, sowie die Abwertung der „Andersartigen“ zur Rettung des eigenen Selbstwerts. Eine Art psychologischer Bailout

  68. Schattenmensch sagt:

    Leider kam meine Antwort mit Links für „ein anderer“ nicht durch (was eigentlich?). Übrigens bekommt man unter Konqueror keine Rückmeldung dass der Kommentar an den Blog gesendet wurde, wenn das bei anderen Browsern auch so ist erklärt das die vielen Doppelt und Dreifacheinträge.

    Guter Punkt Elfboi, allerdings befürchte ich dass der Funktions- und Leistungswahn schon so weit fortgeschritten ist, dass man demnächst auch die Hemmschwelle fällt bei der Forderung, die Nutzlosen doch endzulösen.

  69. Lupo13 sagt:

    @Schattenmensch:
    Na, da waeren wir dann bei Soylent green!

    @elfboi:
    Du bist schon in die Falle getappt:
    „Die Zahl der Nutzlosen, der Überflüssigen…“.
    Du bist zwar sozial, immerhin willst Du dass auch diese Menschen leben koennen sollen, allerdings bist Du im klassischen Denkschema gefangen!

    Und warum wuerde diese dahinvegetierenden Gemuese in Menschenform eigentlich eine Foerderung wie Du sie vorschlaegst nicht erreichen? Hat das denn jemals schon jemand ernsthaft probiert?

    Die Frage ist doch: Was hat diese Menschen dazu veranlasst in unserer heute vorherrschenden diktion ueberfluessig zu sein?

  70. Unternehmer sagt:

    Kommentare und Berichte zum ganz alltäglichen Wahnsinn, mal musikalisch umrahmt, aber eher sehr boshaft und satirisch begleitet. Hier befindet sich der Schlachthof vieler „heiliger Kühe“.

    Guten Tag!

    Dann will ich mal eine Heilige Kuh schlachten, damit ein paar Leute wach werden. Der Rest kann im alltäglichen Wahnsinn weiter schlafen. Mir ist das wurscht.

    Ich schreibe hier aus mehreren Gründen anonym:

    1. Bin ich öffentlich bekannt. Ich muss mich schützen.
    2. ist meine Familie öffentlich bekannt. Diese muss ich schützen.
    3. Bin ich sehr wohlhabend.
    Ich weiß gar nicht, wie viel ich verdiene. Aber meine Steuerberater, die bei mir angestellt sind, wissen es. Und die sind damit beschäftigt, dass ich legal so wenig Steuern wie möglich bezahle.
    Trotzdem zahle ich Steuern im 2-stelligen Millionenbereich. Monatlich und in Euros und in Deutschland,- versteht sich.
    Ich bin Produzent und habe eine Verteilerkette mit 600 Läden in Europa.
    Allerdings arbeite ich so gut wie gar nicht, weil ich zum Arbeiten Leute beschäftige.

    Jetzt sag ich euch Stammtischbrüdern mal was.
    Ich bin froh und dankbar, wenn eines Tages ein Grundeinkommen für jeden Bürger in Deutschland eingeführt wird. Und dass es dieses Grundeinkommen geben wird- das ist so sicher wie das Amen in der Kirche:
    Denn:
    Ich als Unternehmer bin nicht dazu da, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern meine Aufgabe ist es, Arbeit zu vermeiden. Heute ist mein Produktionsbetrieb fast menschenleer, weil Roboter und Computer und Softwareprogramme die Produktion steuern. Die meisten meiner Angestellten sind noch in den Verteilerstrukturen beschäftigt; aber auch diese Arbeitsplätze werden größtenteils in den nächsten 3-5 Jahren wegrationalisiert und abgebaut sein. Das mache nicht nur ich, sondern große Teile der Großproduzenten und der Industrie macht dies nicht anders.

    Die meisten Leute glauben tatsächlich, dass es soziale, menschenfreundliche Unternehmer gibt, die möglichst viele Arbeitsplätze schaffen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Es wird deshalb einer in erster Linie Unternehmer, weil er mit wenig Aufwand möglichst viel Profit machen will. Und unsere Menschenfreundlichkeit liegt darin, die Menschen von der Arbeit zu befreien.

    Das Problem, das sich mit der fortschreitenden Automatisierung nun einstellt, ist eben die wachsende Arbeitslosigkeit. Denn direkt damit im Zusammenhang stehen die Einkommen derjenigen, die keine Arbeit haben. Diese Einkommen schrumpfen in den Hartz4-Bereich.

    Damit bekomme ich als Unternehmer und Produzent allerdings nun ein echtes Problem, denn: Was nützt mir meine aufgebaute Produktion- und mein Vertriebsnetz, wenn es in absehbarer Zeit immer weniger Leute gibt, die meine Produkte überhaupt noch kaufen können?! Und das macht mir Sorgen!

    Dass viele keine Arbeit mehr haben werden, ist nicht mein Problem, denn jeglicher Produktionsfortschritt bewegt sich ja genau in diese Richtung; aber dass Millionen Leute in der Folge dann nicht mehr viel kaufen und konsumieren können- das wird mein Problem als Produzent und Verteiler in naher Zukunft sein und das macht mir Sorgen.

    Also gibt es deshalb auch nur eine Lösung: Die Leute müssen ein dauerhaftes Einkommen haben, damit sie konsumieren können.
    Es liegt also in meinem Interesse, dass die Leute Geld haben und meine Produkte weiterhin kaufen können.
    Denn sonst muss ich (und große Teile der Produzenten entsprechend) meinen Laden verkleinern oder die Produktion stoppen oder im Extremfall verschrotten.
    (das berührt natürlich nicht den Kleinunternehmer mit seinen 20 Mitarbeitern, sondern die Großproduktion)

    Wie sich hier, ganz vereinfacht schon zeigt, bilden Produzent und Konsument einen Zusammenhang. Der Konsument ist von einer Produktion abhängig und der Produzent ist vom Konsum abhängig. Diese Abhängigkeiten sehen wir doch sehr deutlich jetzt in der Krise. Viele Betriebe stehen vor dem Konkurs, weil der Absatz nicht läuft.

    Wenn ein Konsument nichts konsumieren/verbrauchen kann, dann wird es sinnlos zu produzieren.
    Und dann verhungern beide: Der Konsument und der Produzent. Und dann fallen wir wieder in die Zeit zurück, in der jeder seine Kartoffeln selbst anbauen muss, falls er denn Saatkartoffeln und einen Garten hat. Die Frage ist: Wollen wir da wieder hin?

    Die Unternehmerschaft ist vielfach bereit, ein solches BGE mit zu finanzieren; äußert sich allerdings diesbezüglich kaum in der Öffentlichkeit; da läuft halt vieles hinter den Kulissen. Daneben muss ein ganz anderes Steuersystem her.

    Die Frage „Werden denn die Leute noch arbeiten, wenn die 1500 Euro im Monat kriegen“, ist eigentlich völlig irrelevant. Wir Unternehmer sind dazu da, die Leute von Arbeit zu befreien. Dahin verläuft die ganze Entwicklung der Industrien. Und das nennen wir als Unternehmer „Fortschritt“.
    Was die von der Arbeit freigestellten Leute dann mit ihrem Leben anfangen,- das ist deren persönliche Sache.
    Die einen malen Bilder und andere schreiben Bücher. Jeder, wie er will.

    Gez.
    Unternehmer

    Übrigens die sog. Abwrackprämie bei Autoneukauf bewegt sich bereits in Richtung BGE. Man muss nur genau hinschauen und nicht alles glauben, was Politiker sagen.
    Man gibt den Leuten Geld, um den Konsum anzukurbeln. Und keiner fragt: Was muss ich für die 2500 Euros denn nun arbeiten? Ist doch seltsam oder?

  71. Werner Gerhard sagt:

    @ „Konsumsteuer trifft generell die Armen mehr als die Reichen, denn es gibt da keine Progression.“

    Denkfehler. Oder, wenn du so willst, eine tiefe Wahrheit über unsere Gesellschaftsordnung, nur eben kopfstehend…

    Bei dieser (und nur bei dieser) Steuer mußt du die Verwendung mit berücksichtigen: Alle zahlen einen festen Anteil von ihrem Konsum in den Topf und bekommen postwendend ihr konstantes Grundeinkommen aus eben diesem Topf.

    Ergibt was?

    Die einfachste denkbare Progressionsformel: Die effektive Steuer ergibt sich aus variablem X (Konsumsteuer) minus konstantem Grundeinkommen g also (X-g).

    Beispielrechnung:
    – Konsum 100.000, 50.000 Steuer minus bGE 800, macht 49.200 also 49,2%
    – Konsum 10.000, 5.000 Steuer minus bGE 800, macht 4.200 also 42%
    – Konsum 2.580, 1290 Steuer minus bGE 800, macht 490 also 19%
    – Konsum 1.600, 800 Steuer minus bGE 800, macht 0, also 0%
    – Konsum 800, 400 Steuer minus bGE 800, macht -400, also -50%

    Allerdings kann auch die Konsumsteuer nichts daran ändern, das das Konsumierte vorher produziert worden sein muß und Reiche nun mal nicht so viel produzieren…

    Soviel zur der letzten tiefen Wahrheit unserer Gesellschaftsordnung…

  72. egal sagt:

    mal etwas zu einem anderen Thema:
    Du hast ja Plan von Waffen. Wieviel Munition hat man so im Durchschnitt zuhause?
    Ich habe gerade gelesen, dass der Vater des Täters 4600 Schuss Munition zuhause hatte. Er hat auch 16 Waffen, aber ist das eine normale Menge?
    Die Munition auf 16 Waffen verteilt: knapp 290.
    Wieviel Schuss scheißt man denn, wenn man zum entspannen das Vereinsgelände aufsucht?
    Munition im Wert von einigen hundert Euro…
    ich verstehe es nicht…

    entschuldigung, dafür dass ich dies hier hin schreibe wo es nichs zu suchen hat, aber ich wusste nicht wo sonst…

  73. aloa5 sagt:

    @Unternehmer
    Dir nehme ich Dein Unternehmertum nicht ab. Der einzige bekannte „Unternehmer“ der seine „Berechnungen“ aus der Weltanschauung zieht ist Götz Werner. Die meisten Menschen mit Erfolg haben das 1×1 nicht nur gelernt sondern sind willens und dazu in der Lage es anzuwenden. (Selten so einen großspurigen Auftritt gesehen – Reiche haben so einen Auftritt nicht nötig und schon zwei Mal nicht in einem Blog. Diese vertreten Ihre Meinung weil sie dahinter stehen und haben es nicht nötig die eigene Wichtigkeit mit „Millionen“ und „vielen Steuerberatern“ zu untermalen.)

    @Werner Gerhard
    Konsumsteuer ist ganz offensichtlicher Unsinn.
    Einstieg:
    http://wiki.piratenpartei.de/Investivwirtschaft#Verbrauchsteuer-Kritik

    Und nachgeschoben ein vereinfachtes Bsp. zu Götz Werner:

    A verdiene 1mio Brutto
    – Einkommen-Steuern (heute): 400.000 Euro
    – Netto 600.000 Euro
    Von diesem Netto verbraucht er sagen wir 240.000 Euro (20.000 im Monat) pro Jahr. Dadurch kommen 38.000 Euro MwSt hinzu. Macht: 438.000 Euro Steuern.

    Nun versuchen wir einmal zu berechnen wie hoch eine alleinige Konsumsteuer sein müsste um nur diese 438.000 Euro Steuern bei 202.000 Konsum (netto) hereinzuholen.

    202.000 Euro Netto-Konsum + 438.000 Euro Steuern…. macht etwa 200% MwSt-Satz.
    Brutto-Einkaufspreis im Laden: 202.000 Euro Netto-preis+438.000 Euro MwSt= 640.000 Euro

    Warum lieber Werner Gerhard sollte man solch einen Unsinn machen? Die Rechnung geht ja eigentlich noch weiter. Die einzutreibenden Steuern von 438.000 Euro bleiben ja immer gleich (die muss man nominal immer haben). Nur… lt. Werner sinken ja die Netto-Erzeugerpreise um die Hälfte auf 101.000 Euro.

    101.000 Euro +438.000 Euro= 539.00 Euro… und ein MwSt-Satz von lächerlichen 400%

    Das ist absoluter Irrsinn.
    BTW: noch lesen bitte unter Kritik zur Ökosteuer auf Wikipedia. Stichwort „Verbrauchssteuern wirken degressiv“
    Grüße
    ALOA

  74. Alex sagt:

    @Unternehmer

    was ich nicht verstehe: wenn so viele Gruppen das BGE wünschen, warum ist es dann noch nicht Realität ?
    Mir scheint eher, dass Politik und große Medien das Thema totschweigen. Warum ? Götz Werner sagte mal: „Politiker sind wie Segler. Die halten ihr Segel immer in den Wind. Und der Wind, der kommt direkt aus den Köpfen der Bürger“. Also muss man wohl bei den Bürgern anfangen, oder ? Dazu wäre eine breite Diskussion über das BGE in der Bevölkerung notwendig.

    Übrigends: unter http://www.bge-forum.de treffen sich viele, um über das BGE zu diskutieren. Da gibt es auch viele, die gerne Flyer oder CD’s mit dem Grundeinkommen-Film verteilen würden oder noch andere Aktionen. Oft fehlt das Geld. Winzige Beträge.

    Vielleicht kannst Du ja mal da hingehen. Als dicker Unternehmer kannst Du vielleicht die ein oder andere Aktion finanziell unterstützen (anonym). Du musst ja nur das Geld geben, die Arbeit erledigen dann schon die anderen. Oder auch Bannerwerbung im Internet wäre nett usw.

    Ich kopiere mal Deinen Text dorthin, damit dort vielleicht eine Diskussion entsteht.

    Gruß
    Alex

  75. […] Rechenspiele zum bedingungslosen Grundeinkommen von Pavel Mayer […]